Marlboro Light
Laut Szenenanweisung spielt das Stück in «Marlboro Country an der Grenze des Erträglichen», in diesem Fall also irgendwo in der österreichischen Prärie. Und zwar so weit weg vom Schuss, dass der Postbote (Dominik Warta) sich nur einmal die Woche hierher verirrt. Ezra (Dominik Maringer) betreibt hier eine Kneipe, Golsch (Jan Thümer) und Der Pinguin (Franz Josef Strohmeier) sind seine besten Gäste, vielleicht auch die einzigen.
Wenn das Stück beginnt, hat Ezra gerade geheiratet, und er ist todunglücklich: Meret, die Braut, hat ihn nur zehn Minuten nach der Hochzeit stehen lassen und sich nach Lissabon abgesetzt – die «Endgültigkeit» mache ihr Angst. «Wenigstens bist du verheiratet», versucht der Postbote zu trösten. «Sie hätte dich ja auch vorher verlassen können.» Aber Ezra bleibt untröstlich. Und in seiner Verzweiflung formuliert er einen Satz, den René Pollesch nicht schöner hätte schreiben können: «Du glaubst, es ist Liebe, und dabei ist es eine Depression.» Immerhin schickt Meret regelmäßig Postkarten, offenbar reist sie kreuz und quer durch Europa. Bis sich herausstellt, dass Ezras Kumpel die Karten gefaket haben, um dem Freund nicht die letzte Hoffnung zu rauben.
«Subpannoni ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
In Hessen ist «Don Karlos» Zentralabiturstoff. Deshalb muss man seinen Theaterabend, nicht nur in Kassel, mit zwangsversendeten Deutschkursen teilen. Pubertär pikiert zischen die Schülerabordnungen, wenn ein Mann einen Mann auf den Mund küsst oder ein Schauspieler gar die Hosen runterlässt. Und nehmen die Schillersche Gedankenfreiheit ganz wörtlich – klares...
Patricia Benecke«pool (no water)» kam gerade in Zürich zur deutschsprachigen Erstaufführung. Uraufgeführt wurde es aber von der britischen Theatertruppe Frantic Assembly. Wie kam es zu dem Stück?
Mark RavenhillEs war eine Auftragsarbeit für Frantic Assembly. Wir haben uns über die Jahre kennengelernt und fingen irgendwann an, über ein gemeinsames Projekt zu...
Das Leben als Ganzes – ein Thema für das Kabarett. Wer fühlt sich heute schon frei, heil und ganz? Stückwerke sind wir, Fragmente, bestenfalls noch offene Systeme. Martin Heckmanns wagt es, ein ganzes Leben zu zeigen – als Komödie, als dramatisierten Comic-Strip mit einem ewig scheiternden Helden, dem die Identitätskonstruktion so gut gelingt wie den meisten von...
