Eine kleine Geschichte vom Glück

In Hamburg arbeitet man seit Friedrich Schirmers Amtsantritt an den zukünftigen Zuschauern, an der Abschaffung des Plüschs und der Auflösung von Grenzen

Theater heute - Logo

Nimmt man’s genau und nach Homer, steht vor der glücklichen Wiedervereinigung von Odysseus und Penelope ein großes Schlachten: Odysseus tötet die Freier, die sich während seiner 20-jährigen Kriegs- und Irrfahrten zuhause um seine Frau geschart hatten, und die illoyalen Knechte und Mägde gleich mit.

Im Hamburger Malersaal, wo Klaus Schumacher in einem vierstündigen Wagnis die Nachdichtung der «Odyssee» durch den niederländischen Jugendtheaterveteranen Ad de Bont für Menschen ab 12 inszeniert hat, ist das Happy End ungetrübt: Penelope stellt sich dem Gatten friedensbewegt in den Weg, als er den Bogen anlegt: «Es wurde genug gekämpft!» Und der sagt gutmütig «Du hast recht» und legt den Bogen weg, weshalb das nächs­te und letzte Bild eine Vorblende ist, 35 Jahre später: Das Paar liegt unterm Olivenbaum, Philemon und Baucis, Oma und Opa, gerührt betrachtet von Athene und Hermes.

Es sei ihnen gegönnt, das Idyll. Man hätte sich ja wirklich nicht gerne von einem Massaker den Spaß verderben lassen an dieser spielfreudigen, saukomischen, zärtlich verspielten Homer-Adaption, die Schumacher und seine wunderbaren jungen Sieben da zwischen Götter-Wohnküche und Olivenhain gezaubert hatten. Die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2007
Rubrik: Theater Morgen, Seite 14
von Barbara Burckhardt

Vergriffen
Weitere Beiträge
Notizen

Prix Olympic

Nein, da irrt Peter Zadek. Nachdem er nicht zur Verleihung des «Europäischen Theater­preises» nach Thessaloniki ge­kommen war, wurde ihm das Preisgeld von respektablen 30.000 Euro schlicht gestrichen. Die an­wesenden Gremien-Granden der «Interna­tio­nalen Vereinigung der Theaterkritiker», angeführt von Georges Banu, wollten es so. Zadek teilte...

Launen von Zufall und Fügung

Nur Robert Lepage kann sich so etwas ausdenken: Ein Stück über die menschliche Stimme, das sich zu einer Neun-Stunden-Aufführung über Leben und Welt auswächst – das längste seiner langen Bühnenepen und das ehrgeizigste. (Dass er demnächst an der Met den «Ring» inszeniert, scheint da nur folgerichtig.) Derzeit dauert «Lipsynch» allerdings erst vier Stunden plus zwei...

Im Theater ist die Wirklichkeit am geilsten

Ich will ein Feuerwerk, kein ängstliches Gepiepse! Und zweihundert Prozent Disziplin!», ruft der Musiklehrer Aaron Gra­hovac, und in den überfüllten Probenraum der Berliner Bettina-von-Armin-Oberschule im Märkischen Viertel zieht ein Hauch von Dieter Bohlen ein. «Wer das nicht schafft, der kann jetzt noch gehen!» Alles schweigt und schaut den schwarz gekleideten...