Lustige Schieflage
Sie möblieren sich ihre Verzweiflung mit einer gemütlichen, potthässlichen Eckcouch-Garnitur, tänzeln am Abgrund ihrer Existenz verzweifelt leichtfüßig wie Hochseil-Akrobaten, sie bewältigen ihre (im Knast) abgesessene Vergangenheit im Schluckspecht-Tempo und betrügen sich mit grellen Wunschvorstellungen um ihre Zukunft – sie sind überhaupt ein paar ganz tolle Hechte, diese «Brüder B.», samt Omi im Anti-Aging-Wahn und dem abgehalfterten Papi, dem keine Bierdose und kein Geschwätz blechern genug sein kann.
Eine wahrhaft schrecklich nette Familie, der nur eines fehlt: ein guter Autor.
Was der flämische Schriftsteller Arne Sierens aus diesem Stoff, aus dem gemeinhin die gesellschaftlichen Alpträume sind, für die Bühne gemacht, ist nämlich nur ein harmlos voyeuristischer Blick in die Hinterzimmer des asozialen Wohnungsbaus oder eine reichlich hochnäsige Freilegung der Unterschichten, wie sie einem das gleichnamige Fernsehen präsentiert. Ein paar zusammengeschusterte Dialoge lang macht sich Sierens lustig über die schiere Ausweglosigkeit dieser Typen, die den Anschluss an die Wirklichkeit längst verpasst haben und im Zug nach Nirgendwo nun arbeits- und antriebslos auf ...
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Das Thema des Stücks ist letztendlich das Scheitern, Momente des Scheiterns groß aufgenommen.» So umreißt Roland Schimmelpfennig den Inhalt seines 2002 von Jürgen Gosch am Hamburger Schauspielhaus uraufgeführten Stückes «Vorher/ Nachher». In 51 kurze Auftritte unterteilt, ist das Drama des gefragten mitteljungen Dramatikers ein Szenenkaleidoskop, das mehr als...
Ich bin keine Dichterin. Nein.» Schon nach den ersten fünf zappendusteren Worten ist klar: Dies wird ein letzter Bericht, ein Requiem, ein Testament. Sophie Rois, die Castorf-Diva und Pollesch-Heroine, liest Gertrud Kolmars «Susanna», eine Erzählung, die die 1943 in Auschwitz ermordete Autorin drei Jahre vor ihrem Tod in einem Berliner Arbeitshaus schrieb, und sie...
Auf der Bühne herrscht beträchtlicher Verkehr. Mit Graffiti übersäte Kübelwagen rumpeln ihre Runden, spacke Superhelden in prallengen Kostümen schwirren durchs Terrain, viel Volk und Sänger purzeln die Treppen des Bühnenbildes rauf und runter. Unten am Bühnenrand parken trojanische Pferde, und die Nerven des Publikums werden von Maschinenpistolengarben zerrüttet,...
