Im Zustand der Schmerzlosigkeit
Indien ist aus Sicht vieler Deutscher ein Masala aus Ashram, Ayurveda und Analphabetenquote, oder auch aus Chaos, Kasten, Computerexperten, kurz: ein Gemisch der Ungleichzeitigkeit des Gleichzeitigen. Nicht nur die Entfernung sorgt für das Zerrbild: Indien ist ein ungeheuer komplexes Land mit fast einer Milliarde Menschen, knapp 20 offiziellen, angeblich 400 inoffiziellen Sprachen, eine bunte, fremde Welt. Die uns interessiert.
Warum sonst böten normale deutsche Supermärkte derzeit indische Filme, die berühmt-berüchtigten Bollywoodstreifen an (lange Spieldauer, große Gefühle, Musik, Gesang und Farben und keinerlei Realitätsverdacht), warum sonst hätte sich die diesjährige Bonner Biennale mit dem Thema Indien zum Publikumsrenner entwickelt?
Offeriert wurde eine Woche indische Kultur: Theater, Musik, Kunst, Lesungen. Beim Tanz lag die Auslastung gar bei traumhaften 100 Prozent, aber auch sperrigere Veranstaltungen wie ein deutsch-indisches Symposion «Indien als Modell interkulturellen Lebens?» oder Einführungen in die indische Götterwelt fanden ihr Publikum. Scouts von anderen europäischen Festivals nutzten die Gelegenheit, Kontakte für das eigene Programm zu knüpfen: eine gelungene ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das Thema des Stücks ist letztendlich das Scheitern, Momente des Scheiterns groß aufgenommen.» So umreißt Roland Schimmelpfennig den Inhalt seines 2002 von Jürgen Gosch am Hamburger Schauspielhaus uraufgeführten Stückes «Vorher/ Nachher». In 51 kurze Auftritte unterteilt, ist das Drama des gefragten mitteljungen Dramatikers ein Szenenkaleidoskop, das mehr als...
Das polnische Theater hat sich nach 1989 lange Zeit als Raum der reinen Kunst bestimmt. Politische Fragen sollten anderswo diskutiert werden und das Theater, das in der lähmenden Zeit des Kriegsrechts gelitten hatte, in aller Ruhe seine Rolle im neuen Polen finden. Krystian Lupa stieg mit seinen oft vielstündigen Romanbearbeitungen zum überragenden Regisseur jener...
Nichts mischt eine abgelaschte Party so auf wie der Einbruch des echten Lebens. Auf einer Dachterrasse bemühen sich fünf Leute (zwei Paare und ein Single) vergeblich um Geselligkeit und finden erst zusammen, als das nachbarliche Ehepaar bei offenem Fenster (und Licht!) übereinander herfällt – das ist die Situation von Meike Haucks Stück «Hund frisst Gras».
Die...
