Im Zustand der Schmerzlosigkeit
Indien ist aus Sicht vieler Deutscher ein Masala aus Ashram, Ayurveda und Analphabetenquote, oder auch aus Chaos, Kasten, Computerexperten, kurz: ein Gemisch der Ungleichzeitigkeit des Gleichzeitigen. Nicht nur die Entfernung sorgt für das Zerrbild: Indien ist ein ungeheuer komplexes Land mit fast einer Milliarde Menschen, knapp 20 offiziellen, angeblich 400 inoffiziellen Sprachen, eine bunte, fremde Welt. Die uns interessiert.
Warum sonst böten normale deutsche Supermärkte derzeit indische Filme, die berühmt-berüchtigten Bollywoodstreifen an (lange Spieldauer, große Gefühle, Musik, Gesang und Farben und keinerlei Realitätsverdacht), warum sonst hätte sich die diesjährige Bonner Biennale mit dem Thema Indien zum Publikumsrenner entwickelt?
Offeriert wurde eine Woche indische Kultur: Theater, Musik, Kunst, Lesungen. Beim Tanz lag die Auslastung gar bei traumhaften 100 Prozent, aber auch sperrigere Veranstaltungen wie ein deutsch-indisches Symposion «Indien als Modell interkulturellen Lebens?» oder Einführungen in die indische Götterwelt fanden ihr Publikum. Scouts von anderen europäischen Festivals nutzten die Gelegenheit, Kontakte für das eigene Programm zu knüpfen: eine gelungene ...
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