Alles halb so schlimm
Am Ende geht dieser «Platonow» überraschend glatt auf. Die kunstbeflissene Langeweile, die Schaubühnenregisseur Luk Perceval zelebriert hat, ist fast vergessen; dafür hat man den erbärmlichsten, unsexysten, entleertesten Dorfschullehrer Michail Wassilijewitsch Platonow ever zu sehen bekommen und die großartigste Generalswitwe Wojnizewa gleich dazu.
Ihren an Platonow adressierten Spruch «Eine Frau liebt dich, das Wetter ist klasse, wo ist das Problem?» hat man sich für alle Fälle gemerkt und festgestellt, dass «Die Generalswitwe» für Percevals Schaubühnenversion des frühesten Tschechowdramas (Übersetzung Ulrike Zemme) – der Dichter schrieb es im Alter von 18 Jahren – der bessere Titel wäre.
Dabei gab es in dieser ohnehin so Tschechow-reichen Spielzeit innerhalb von acht Wochen allein in Berlin noch zwei weitere «Platonows» zu sehen: den schon wieder abgesetzten von Stefan Pucher an der Berliner Volksbühne und das zum Theatertreffen geladene Gastspiel des Stuttgarter Staatstheaters, bei dem Karin Henkel Regie geführt hat. Auf Puchers Pop-Platonow, für den Thomas Wodianka eine frappierende Ähnlichkeit mit dem jungen Bob Dylan und einiges musikalisches Können ins Spiel brachte, war ...
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