Luft holen, weiter atmen
Dramaturg:innen und Regisseur:innen haben eine große Gestaltungsfreiheit, wenn es darum geht, wer in den Texten von Elfriede Jelinek gerade spricht und wie man das ausgestalten könnte. In «Sonne/Luft» ist das im ersten Teil etwas anders, schließlich ist ganz klar: Hier spricht eine allwissende Erzählerin, die wie eine anthropomorphe Supernova festgeschraubt im Zentrum eines planetarischen Systems sitzt und sich menschenähnlich verhält.
Das glutvolle Zentralgestirn kann arrogant wütend und machtvoll anmaßend sein, es ist aber auch eine galaktische Superwoman oder interstellare Medea, die dem milliardenfachen Menschengewimmel, das so hysterisch tut, als könne es mal kurz die Welt retten, unmissverständlich zu verstehen gibt, dass es die Rechnung ohne die Wirtin da oben macht. Schließlich könnte sie jederzeit alles da unten verbrennen und die Apokalypse lächelnd genießen: «Für die Fruchtbarkeit bin ich schon auch zuständig», die aber «macht nicht soviel Spaß, die dauert mir zu lang. Ich bin ungeduldig, ich bin in Hitze.»
Nachdem die Sonne auf etwas mehr als zwanzig Seiten klar gemacht hat, dass da eine didaktisch geschulte Mephistofela am Werk ist, zieht das feuerspendende ...
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Theater heute März 2024
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Jürgen Berger
Die OP läuft unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Ein runder Vorhang schirmt sie nach außen ab. Der Assistenzarzt aber gönnt uns einen Blick ins Allerheiligste, der Vorhang öffnet sich. Da sehen wir ihn liegen, den armen Poch, Diagnose: totale Erschöpfung. Mehr weiß man nicht, aber operieren muss man doch. Wie wäre es mit einer Transplantation des Kopfes auf einen...
Uraufführung 16.12.2023, Schauspiel Leipzig, Regie: Elsa-Sophie Jach
© Suhrkamp Verlag Berlin 2023
1 Tochter
Nur ein Brautraub
das ist Brauch
und die Cousins
sind auch der
Braut im Auto nachgebraust
über die Landstraßen
rasen sie überdrehen
sie übertreiben sie treiben
sich an treiben voran sich
voreinander her
überschätzen sich
verschätzen sich
überschlagen falsch
...
Mit dem Eigenbedarf der Pflanze, die das Leben etwas erträglicher macht, hat Andy kein Problem. Die Sozialstunden sind zwar lästig, aber in ländlichen Gegenden sieht man das mit dem Kiffen nicht ganz so eng. Ziemlich bescheuert ist allerdings das mit der Bank. Kommt man aus einem Dorf wie Lovin, weiß die Sachbearbeiterin in der nächsten Kreisstadt, dass ein...
