Lücke um Lücke
Ziemlich stürmisch verlief der Übergang von der vorigen auf die laufende Spielzeit auf den Bühnen in Kassel: Schauspiel-Chefin Patricia Nickel-Dönicke habe sich – so sah es jedenfalls der Rest der Theaterleitung – deutlich zu intensiv vorbereitet auf neue Direktions-Aufgaben am Landestheater St. Pölten. Weil sie sich angeblich deshalb nur noch wenig bis gar nicht mehr um den Job in Kassel gekümmert habe, wurde ihr gekündigt. Quasi aus dem Stand hat die Schauspielerin und Regisseurin Sarah Franke die Schauspiel-Leitung übernommen.
Sie hat zum Saisonstart eine komplizierte Aufgabe übernommen: die Uraufführung von «vor die hunde», einer Auftragsarbeit, die das Theater bei der aus Kassel stammenden Autorin Nora Mansmann bestellt hat. Deren Ausgangspunkt für eine deutsch-brasilianische Recherche war Hans von Staden, der 1525 in Homberg an der Efze geboren und als «Landsknecht», als gemieteter Soldat in Diensten spanischer und portugiesischer Könige, an zwei Eroberungsreisen an die Ostküste Südamerikas beteiligt war. Sein Buch darüber war das erste schriftliche Zeugnis über die Gebiete, die heute zu Brasilien gehören. Der lange, schöne und sehr erklärsame Titel geht so: «Wahrhaftige ...
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Theater heute Januar 2026
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Michael Laages
Tschechow-Inszenierungen kämpfen immer gegen die Atmosphäre, den elegischen Tschechow-Ton, die versteckte Symbolik der Dinge, den Samowar in der Ecke. Itay Tirans Inszenierung von «Onkel Wanja» im Schauspiel Köln gewinnt diesen Kampf souverän. Das Stück über die Perspektivlosigkeit der russischen Intelligenzia vor der Oktoberrevolution wird skelettiert. Übrig...
Robert Wilson lebte noch, als Richard Foreman Anfang letzten Jahres starb, aber für Helen Shaw war es der Tod Foremans, der das Ende einer Epoche markierte: «Für mich, und für viele andere, war ein ganzes Halbjahrhundert … einfach die Ära des Richard Foreman.» Ihr großer Nachruf erschien im «New Yorker», und mit New York war die Ära des Richard Foreman in erster...
Langsamer Tod» steht auf der Leuchttafel über dem chromblitzenden Theaterportal, das Bühnenbildnerin Nina Wetzel neben einem geräumigen Hotelzimmer, einer Proben-Garderobe und Videoscreens in allen erdenklichen Größen auf die Drehbühne hat stapeln lassen. Gleich über dem verheißungsvollen Titel der Name der fiktiven Schauspielerin, die diesen performen soll: Hannah...
