Eine Einheit aus ständigen Brüchen

Ein halbes Jahrhundert lang hat Richard Foreman die New Yorker Avantgarde verkörpert, Jünger und Schülerinnen beeinflusst und sein wiedererkennbares Ding gemacht. Eine Würdigung

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Robert Wilson lebte noch, als Richard Foreman Anfang letzten Jahres starb, aber für Helen Shaw war es der Tod Foremans, der das Ende einer Epoche markierte: «Für mich, und für viele andere, war ein ganzes Halbjahrhundert … einfach die Ära des Richard Foreman.» Ihr großer Nachruf erschien im «New Yorker», und mit New York war die Ära des Richard Foreman in erster Linie verbunden. Die Avantgarde, die Foreman verkörperte wie wenige andere, eine Idee des Theaters – und natürlich nicht nur des Theaters – als avantgardistische Kunstform, hatte ihren Ort in New York.

Dem New York der «Village Voice», deren 1956 von ihr gestifteten OBIE Award für Theater abseits des Broadway Foreman neun Mal erhielt, einem «Village-Voice»-New York, das sich als Zentrum der Avantgarden der Welt sah und das es, auch als Gegensatz zum Rest der Vereinigten Staaten, so schon lange nicht mehr gibt.

Anders als Robert Wilson, mit dem er seit den 1960ern gut bekannt war, hat Richard Foreman nie den Sprung in den Mainstream geschafft. Während Wilson mit seiner sehr viel leichter genießbaren, in Richtung Opulenz transformierbaren Ästhetik zur teuer bezahlten Marke wurde, zum Haushaltsnamen im Weltkunstbetrieb, blieb ...

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Theater heute Januar 2026
Rubrik: Akteure, Seite 32
von Ekkehard Knörer

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