Lost on Stage
Knarr, quietsch. Die Tür klingt wie seit 100 Jahren nicht geölt, das Licht schummert nur düster durch die klapprige Dekoration (Robert Kraatz). Gargas Leihbibliothek und die «Dickicht der Städte»-Bühne sieht aus wie eine rumpelige Gespenster-Kammer mit unübersichtlichen Räumen, Gängen und Nischen. Nicht minder schemenhaft seine Bewohner: Glatte Masken nehmen jeden individuellen Ausdruck, verwandeln die Schauspieler*innen in hochmotorische Spielpuppen, die wie aufgezogen aus Türen und Ecken auftauchen.
Nur in sehr persönlichen Ausnahmemomenten werden sie später ihre Gesichtsschablonen ablegen und wenigstens Momente alltäglicher Nähe und Nachdenklichkeit zulassen. Seltsamerweise verkündet eine Neonleuchtreklame im Hintergrund «Entdramatisierung»; aber dazu gleich.
Die Strichfassung ist zunächst auf die Hauptplotpoints eingedampft: Der bitterarme George Garga (Henry Morales) im schmutzigen Feinripp-Unterhemd ist mit Familie vom Land in die Großstadt Chicago gezogen und erlebt dort sein frühmodernes Elend. Er führt ein prekäres Arbeiterleben, lebt aufopferungsvoll für seine Familie und leistet sich Ansichten, sprich Werte. Der malaiische Holzhändler Shlink (Klaus Zwick) schneit wie ...
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Theater heute Juni 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 46
von Franz Wille
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