Lost on Stage
Knarr, quietsch. Die Tür klingt wie seit 100 Jahren nicht geölt, das Licht schummert nur düster durch die klapprige Dekoration (Robert Kraatz). Gargas Leihbibliothek und die «Dickicht der Städte»-Bühne sieht aus wie eine rumpelige Gespenster-Kammer mit unübersichtlichen Räumen, Gängen und Nischen. Nicht minder schemenhaft seine Bewohner: Glatte Masken nehmen jeden individuellen Ausdruck, verwandeln die Schauspieler*innen in hochmotorische Spielpuppen, die wie aufgezogen aus Türen und Ecken auftauchen.
Nur in sehr persönlichen Ausnahmemomenten werden sie später ihre Gesichtsschablonen ablegen und wenigstens Momente alltäglicher Nähe und Nachdenklichkeit zulassen. Seltsamerweise verkündet eine Neonleuchtreklame im Hintergrund «Entdramatisierung»; aber dazu gleich.
Die Strichfassung ist zunächst auf die Hauptplotpoints eingedampft: Der bitterarme George Garga (Henry Morales) im schmutzigen Feinripp-Unterhemd ist mit Familie vom Land in die Großstadt Chicago gezogen und erlebt dort sein frühmodernes Elend. Er führt ein prekäres Arbeiterleben, lebt aufopferungsvoll für seine Familie und leistet sich Ansichten, sprich Werte. Der malaiische Holzhändler Shlink (Klaus Zwick) schneit wie ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juni 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 46
von Franz Wille
Da gibt es kein Entkommen: Der Raum ist flach wie ein Bunker, die Wände sind heruntergelassene und zugezogene Jalousien. Manchmal zieht jemand die Lamellen etwas auseinander: Dann sieht man ein Auge, das auf die andere Seite des Lebens blickt. Aber da scheint auch nichts zu sein, was Rettung aus dieser Gefangenschaft versprechen könnte. Dass man aus diesem...
Sie war Dramaturgin, Übersetzerin, Produzentin, eine Kämpferin und Aktivistin. Sie setzte sich ein für die Rechte der Unterdrückten. Ob die Unterdrückung von der Regierung kam oder von einem Facebook-Post, egal: Anna Lengyel ergriff stets sehr energisch Partei bei öffentlichen Diskussionen.
Zur Welt kam sie in Budapest, in einer bekannten Literatenfamilie. Als sie...
Stephen Parker, der englische Literaturkritiker und kürzlich emeritierte Germanist an der Cardiff University, Verfasser einer kompetenten und gut lesbaren, 2018 auch in deutscher Übersetzung erschienenen Brecht-Biografie, hat jetzt im Wallstein Verlag das auf Französisch in Kalifornien verfasste so genannte «Journal amoureux» von Friedrich Wilhelm Wedekind...
