London: Welt aus Liebe und Wahnsinn
Alle paar Jahre unkt es, Londons kommerzieller Theatersektor sei in der Krise. Tatsächlich aber ist dieser merkwürdige Mikrokosmos um Shaftesbury Avenue erstaunlich stabile Einkommensquelle für seine Produzenten und gar nicht so unwichtiger Faktor in der Inselökonomie. In der Masse der West-End-Musicals und Erfolgstransfer-Stücke aus dem subventionierten Sektor gibt es nun wohl einen offiziellen neuen Trend: Ältere Herren, die sich nach Aufgabe ihrer Intendanzen oder Filmregien langweilen, gründen Companies und ziehen mit einem Haufen Stars im Schlepptau für eine Spielzeit ins West End.
Ex-National Theatre Chef Trevor Nunn war der Erste mit einer Residenz im Haymarket Theatre, letztes Jahr nistete sich Michael Grandage, langjähriger Leiter des Donmar Warehouse, mit seiner Michael Grandage Company um die Ecke ein, dieses Jahr folgte Kenneth Branagh mit – genau – der Kenneth Branagh Company. In Eigen-Branding-Initiative spielt er auch munter selber mit. Das Geschäftsmodell von Nunn, Grandage, Branagh: große Namen, sichere Stücke, experimentfreie Inszenierungen gleich finanzieller Erfolg. Den Zuschauern schlägt das Herz nicht höher, weil sie in ihren Sehgewohnheiten oder inhaltlich ...
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Theater heute April 2016
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Patricia Benecke
China besitzt eine von der hiesigen sehr unterschiedene und auf den westlich und besonders vom deutschen Theater geprägten Intellektuellen zunächst eher fremd wirkende Theaterkultur. So hat das Sprechtheater, bei uns mindestens institutionell noch immer das Herzstück des Theaterlebens, hier eigentlich keine Tradition. Das große Erbe der chinesischen...
Elfriede Jelineks Stück «Die Schutzbefohlenen» ist noch keine drei Jahre «alt». Was ist geschehen seither? Allein 2015 ertranken mehr als 3.000 Flüchtlinge im Mittelmeer; europäische Politiker verhandelten in endlosen Sitzungen über das Schicksal von fliehenden Menschen, als wären sie Stückgut, das es zu verfrachten oder zurückzuschicken gilt; und vor ein paar...
Wenn der Regisseur Kriegenburg und der Bühnenbildner Kriegenburg auf Franz Kafka treffen, darf man auf eine kreative Kollision hoffen. Die kam jedenfalls 2008 an den Münchner Kammerspielen zustande, als Andreas Kriegenburg Kafkas «Prozess» radikal in die Vertikale setzte, ein Bühnenbild, um 90 Grad gekippt, in dem der verachtfachte Joseph K. sich durch sein...
