Im Bau
Wenn der Regisseur Kriegenburg und der Bühnenbildner Kriegenburg auf Franz Kafka treffen, darf man auf eine kreative Kollision hoffen. Die kam jedenfalls 2008 an den Münchner Kammerspielen zustande, als Andreas Kriegenburg Kafkas «Prozess» radikal in die Vertikale setzte, ein Bühnenbild, um 90 Grad gekippt, in dem der verachtfachte Joseph K. sich durch sein vollgerümpeltes Zimmer hangelte, das keinen Halt bot und keinen Ausgang hatte.
Sieben Jahre später nun also eine neue Annäherung an den Alpträumer Kafka, und auch fürs Deutsche Theater hat Kriegenburg einer multiplizierten Personnage ein Bühnenbild geschaffen, das sich den Gesetzen der Horizontalen entzieht: Kuben, aus den Fugen geraten, vier ineinander gestürzte, Sixties-pastellige identische Zimmerchen mit Stehlampe, Zimmerpflanze, String-Regal und lindgrünem Sofa, über dem riesig mit verträumtem Blick Judy Garland hängt, deren gesummter «Wizard of Oz»-Song «Somewhere over the Rainbow» gleich zu Beginn das Leitmotiv des Abends setzt: «Birds fly over the rainbow, why then, oh why can’t I?»
Der deutsche Angstbürger
Über den Regenbogen fliegen: ein Treppenwitz im Kosmos dieser Kafka-Figuren, die ja nicht mal zur Zimmertür ...
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Theater heute April 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 7
von Barbara Burckhardt
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