Logos und Sprache

In Epidauros zu inszenieren, ist nicht nur für griechische Künstler:innen eine Herausforderung. Umstellt von Tradition, Ideologie, Politik und Kunst hat die griechische Tragödie dort einen sehr besonderen Ort

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Zum Auftakt drei irritierende Erlebnisse: Nach einer Inszenierung der «Perser» in Epidauros 2020 fiel – erstens – der Regisseur Dimitris Lignadis im Applaus vor der in vorderer Reihe sitzenden Kulturministerin auf die Knie und küsste ein Miniatur-Modell des Parthenon. Die Inszenierung war in der Deutung des Textes so nationalistisch, dass sie Aischylos’Mah -nung vor der Herrscher-Hybris umdrehte, was das Publikum in der Mehrheit als Gottesdienst an der Nation zu goutieren schien.

Zweitens inszenierte im Sommer 2023 Lena Kitsopoulou Aristophanes’ «Wespen».

Lena Kitsopoulou ist eine junge, bildmächtige und lustige Regisseurin, die gerne den Finger in die Wunde legt. In ihrer «Wespen»-Bearbeitung polemisierten die Performer:innen satirisch gegen Korruption und Verantwortungslosigkeit in Politik und Justiz. Das geriet manchmal etwas platt; es gelangen aber starke, irritierende und berührende Bilder. Der darauf folgende Wutausbruch war unvergleichlich. Eine Schande, Verbieten, Absetzung der Intendanten! Die Erhitzung kühlte auch nach der Premiere nicht ab. In sozialen Medien und der Presse wurde noch fast ein Jahr lang gestritten. Der Theaterwissenschaftler Savvas Patsilidis drückte ...

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Theater heute Dezember 2024
Rubrik: International, Seite 46
von Stefanie Carp

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