Lob der Hospitanz
Jetzt kommt das Mitmachtheater», fordert die Bühne. Applaus. «Und wer sind Sie?» «Ich bin Studentin der klassischen Archäologie in Gießen», sagt die junge Frau mit leiser Stimme aus dem Publikum. Applaus. Sie betritt die Bühne und weiß plötzlich ganz genau, wo alles ist: die Blockflöte, die OP-Masken, der Wischlappen. Sie ist blond, sie ist schüchtern. Sie könnte die Adoptivtochter der Schauspielerin sein. Weil die Schauspielerin das behauptet, glauben wir’s ihr. Denn das erklärt, warum sie sich so gut in der Requisite auskennt.
Dann, zum Schluss, küsst das liebe Mädchen zärtlich den Schauspieler, den alkoholkranken Geoffrey Firmin, den Konsul, das Alter Ego von Malcom Lowry, den Autor des bekannten Säuferromans «Unter dem Vulkan». Sehr wirklich. Gäbe es einen Preis für das glanzvollste Durchstehen peinlicher Exhibitionen von Laien auf der Bühne, geht er an diese Ungenannte, perfekt Echte im Theatersystem von Armin Petras.
«Unter dem Vulkan» im Kleinen Haus des Schauspiels Frankfurt soll ein schenkelklopfendes Mitklatschtheater für die ganze Familie werden, natürlich nicht für die Journalisten, die mit eingezogenen Köpfen zusammensitzen, sich an ihre Schreibblöckchen klammern und ...
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Über den Mittag essen auch schon mal Banker im schönen Biergarten. Keine Würste, eher Piccata Milanese oder ein Tandoori. An den Wochenenden feiert ein szenenunspezifisches Publikum im Restaurant Reithalle jene Art von Allerwelts-Disco, die man in ihrem unverfrorenen Balzritual provinziell nennen mag. Und am Abend erwartet das Publikum in den ehemaligen...
Man wird ja nicht alle Jahre dreißig. Dachte sich Paines Plough und gönnte sich zum runden Geburtstag mal was ganz Besonderes: Man schenkte sich selbst acht neue Stücke.
Eigentlich nur folgerichtig. Paines Plough ist Englands wichtigstes «New Writing»-Theater ohne feste Bühne, das heißt, man tourt Frischgeschriebenes durch’s gesamte Vereinigte Königreich. Die...
Simon Stephens kommt aus Stockport und ging fort, erst nach York, dann nach London. Sein zweites Stück «Port» (nach «Reiher», Stückabdruck in TH 4/03) spielt in einer, dieser Kleinstadt und handelt vom Fortgehen, von Aufbruch. Sein drittes, «One Minute», spielt in London und handelt, ja, auch vom Fortgehen, aber ebenso vom Bleiben, von Stagnation, vom Leben ohne...
