Lob der Hospitanz
Jetzt kommt das Mitmachtheater», fordert die Bühne. Applaus. «Und wer sind Sie?» «Ich bin Studentin der klassischen Archäologie in Gießen», sagt die junge Frau mit leiser Stimme aus dem Publikum. Applaus. Sie betritt die Bühne und weiß plötzlich ganz genau, wo alles ist: die Blockflöte, die OP-Masken, der Wischlappen. Sie ist blond, sie ist schüchtern. Sie könnte die Adoptivtochter der Schauspielerin sein. Weil die Schauspielerin das behauptet, glauben wir’s ihr. Denn das erklärt, warum sie sich so gut in der Requisite auskennt.
Dann, zum Schluss, küsst das liebe Mädchen zärtlich den Schauspieler, den alkoholkranken Geoffrey Firmin, den Konsul, das Alter Ego von Malcom Lowry, den Autor des bekannten Säuferromans «Unter dem Vulkan». Sehr wirklich. Gäbe es einen Preis für das glanzvollste Durchstehen peinlicher Exhibitionen von Laien auf der Bühne, geht er an diese Ungenannte, perfekt Echte im Theatersystem von Armin Petras.
«Unter dem Vulkan» im Kleinen Haus des Schauspiels Frankfurt soll ein schenkelklopfendes Mitklatschtheater für die ganze Familie werden, natürlich nicht für die Journalisten, die mit eingezogenen Köpfen zusammensitzen, sich an ihre Schreibblöckchen klammern und ...
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Vorspiel im Schummerlicht. Das Klavier spaßt, die Tuba grimmt, die Klarinette holpert hell, das Fagott stolpert dunkel voran. Ein sonderbares Quartett. Und erst die Bühne: ein Fundus für Sammelsuriumsammler. Stühle, Körbe, Mäntel, Brustpanzer fügen sich, scheinbar absichtslos derangiert, zum ausgewogensten Chaos, das sich der Theater-Experimentelle Ruedi Häusermann...
Der traurigste Satz in Dea Lohers an verzweifelten Ausrufen, hilflosem Geplapper, mutlosem Verstummen und endgültigen «letzten Worten» so reichem Stück «Unschuld» steht ganz am Ende: «Ich wäre gerne ein Rettungsschwimmer», sagt der illegale Immigrant Elisio. Aber da ist ja längst niemand mehr da, der sich wirklich helfen lassen würde: All die seltsamen Wesen in der...
Man wird ja nicht alle Jahre dreißig. Dachte sich Paines Plough und gönnte sich zum runden Geburtstag mal was ganz Besonderes: Man schenkte sich selbst acht neue Stücke.
Eigentlich nur folgerichtig. Paines Plough ist Englands wichtigstes «New Writing»-Theater ohne feste Bühne, das heißt, man tourt Frischgeschriebenes durch’s gesamte Vereinigte Königreich. Die...
