Zickenradau und Zombierequiem
Elfriede Jelineks Wortstrom zu «Ulrike Maria Stuart» ist erklärtermaßen für alle theatralen Einfälle offen und in seiner Gänze ohnehin nicht zu bewältigen. Welche enormen Unterschiede mit einer gar nicht so unterschiedlichen Strichfassung zu erreichen sind, zeigen zwei orts- und zeitnah herausgekommene Versionen: In Freiburg inszenierte Michael Simon, der vor zwei Jahren mit Jelineks «Prinzessinnendramen» in Karlsruhe für Aufsehen gesorgt hatte, wo nun Crescentia Dünßer als Regisseurin die örtliche RAF-Historie zu gewärtigen hatte.
Herausgekommen sind hier Zickenradau und dort Zombierequiem. Simon knüpft nahtlos an die «Prinzessinnendramen» an: Wieder schieben fünf Schauspielerinnen ein klobiges Bühnenelement – eine Art Bundestagsrednerpult – herum und liefern 100 Minuten sportives Textdauerfeuer, was in diesem Fall die argumentative Selbstverkrampfung der ersten Terrorgeneration schön ausmalt. Die Prinzen sind in rosa Tütüs gekleidete Prinzessinnen (Bettina Grahs, Maria Kwiatkowsky), die aus Kasperltheaterverschlägen den clownsperückten Greis (Ariane Andereggen) mit nöligen Rufen nach der Mutter in wild zuckenden Erklärungsnotstand bringen. Ulrike (Rebecca Klingenberg) trotzt im ...
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