«Ich muss es rauslassen!»
Seit ein paar Jahren tauchen sie in den Inszenierungen von Rimini Protokoll auf: Menschen wie du und ich, ohne Schauspielausbildung und Mimenehrgeiz, mit einem mehr oder weniger interessanten Beruf und einer mehr oder weniger durchschnittlichen Vergangenheit, mit Hobbies, Krankheiten, Ehrenämtern.
Theaterkritiker, die diese Menschen als Laien bezeichneten, wurden von Helgard Haug, Stefan Kaegi und Daniel Wetzel stets höflich darauf hingewiesen, dass die Bezeichnung Experten auf diese Akteure viel besser passt, und das nicht allein, weil der Laie Defizite gegenüber dem Profi, der Experte dagegen Kompetenz signalisiert.
Sven-Joachim Otto hat in Rimini Protokolls «Wallenstein. Eine demokratische Inszenierung» als Experte für eine existenzielle oder zumindest lebensverändernde Erfahrung auf der Bühne gestanden. Genauer gesagt: für den «Wallenstein»-Moment, der dem damals 34-jährigen CDU-Politiker am 17. September 2004 widerfuhr. An diesem Tag endete mit einem Schlag die bis dahin recht steile Polit-Karriere des promovierten Juristen, der schon mit 29 Jahren für das Amt des Mannheimer Oberbürgermeisters kandidiert hatte und nur knapp am Sieg vorbeigeschlittert war. Seine ...
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Soll man Krankheit und Tod als Vorlage für eine chice Performance nutzen? Roger Vontobel lässt die Frage von Mark Ravenhills «pool (no water)» (abgedruckt in TH 06/07) um die vier Titel-Buchstaben kreisen (Bühne Claudia Rohner). Es geht um Eifersüchteleien und Gemeinheiten unter Künstler-Kollegen, um geheuchelte Zuneigung und das Siechtum der erfolgreichen...
Vielleicht hatte man «The Theatre» doch unterschätzt. Nachdem International Festival – so nennen sich Architekt Tor Lindstrand und Choreograf Marten Spangenberg – im Presseheft erläutert hatten, dass das Provisorium auf dem Grazer Karmeliterplatz nicht nur ein Bühnenzelt, sondern ein kollektives Performance-Kunstwerk, «temporäre Intervention» und «soziale...
Elfriede Jelineks Wortstrom zu «Ulrike Maria Stuart» ist erklärtermaßen für alle theatralen Einfälle offen und in seiner Gänze ohnehin nicht zu bewältigen. Welche enormen Unterschiede mit einer gar nicht so unterschiedlichen Strichfassung zu erreichen sind, zeigen zwei orts- und zeitnah herausgekommene Versionen: In Freiburg inszenierte Michael Simon, der vor zwei...
