Lieber Lieder

Juliane Kann «Piaf. Keine Tränen»

Theater heute - Logo

Man braucht nur einige der Katastrophen, nicht einmal alle, zu rekapitulieren, um zu begreifen, dass Edith Gassion, genannt Piaf, den Schmerz nicht anders bewältigen konnte, als ihn sich aus dem Leib zu singen. Von der Mutter früh verlassen, der Vater Alkoholiker, wuchs sie auf den Straßen heran; mit 17 brachte sie eine Tochter zur Welt, die mit zwei Jahren starb. Ihr Geliebter, der Boxer Marcel Cerdan, verunglückte tödlich bei einem Flugzeugabsturz. Von Krankheiten geplagt, medikamenten- und alkoholabhängig, starb Piaf 1963. Sie war keine 50 Jahre alt geworden.



In Juliane Kanns «Piaf. Keine Tränen», das auf der Düsseldorfer Schauspielbühne durchaus zum Weinen ist, klingt das dann so: «Die Person ist der Schmerz selbst.» Oder: «Die Person braucht eine Manege, sie ist die Manege selbst.» Sätze wie diese hätten in jedem Nachruf auf die Sängerin stehen können. Deshalb lässt man Piaf besser singen, was während der Uraufführung reichlich geschieht, aber noch nicht genug, um zwei Stunden zu füllen und die Inszenierung von Daniela Löffner vergessen zu machen. Immerhin hat die Regisseurin beträchtlich am Stück gekürzt und in die mit viel Aufwand und wenig Ertrag montierte Szenenfolge Piafs ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2009
Rubrik: Chronik, Seite 48
von Andreas Wilink

Vergriffen
Weitere Beiträge
Freispruch für Medea

Kann sein, dass Donna ihre beiden kleinen Kinder getötet hat. Kann sein, dass sie krank ist. Wir werden es nie erfahren. Sicher ist nur: Sie wird verurteilt, in den Knast gesteckt, durch die Medienarena geschleift und in zweiter Instanz aus Mangel an Beweisen freigesprochen.

Dennis Kelly hat aus dem Medea-Thema ein Doku-Drama in Zeiten der Kindsmordhysterie...

Blow- und andere Jobs

Herr Keriakous, der Grieche, übertreibt es mit der Liebe für seine verstorbene Frau, findet «der Vater» in Dennis Kellys Szenencollage «Liebe und Geld». Wer Geld hat, viel Geld, kann die Liebe zu einer Toten in Marmor, Stein und Eisen gießen und einen Tempel auf ihr Grab setzen, aber dass dieses griechische Privatmonument einen ungehörigen Schatten auf die letzte...

As time goes by

Exakt 2783 Jahre europäische Theaterge­schichts­daten auf 239 Seiten nebst weiteren 116 Seiten aufgelisteter Theaterliteratur zum Thema – wer so ein Projekt zwischen zwei Buchdeckel bringt, braucht viel Leidenschaft. Wolfgang Becks datenselige «Chronik des europäischen Theaters von der Antike bis zur Ge­genwart» will einen Überblick geben über «Zusammenhänge,...