Letzte Walzer
Die Spielplandramaturgie war klassisch: save the best for last. Zum Saisonschluss und Ende ihrer Intendanz programmierte Barbara Frey nochmal zwei der prägendsten Handschriften ihrer Zürcher Jahre: zunächst im Schiffbau Karin Henkel, die viele große Abende in Zürich inszeniert hat, mit Thomas Mann; tags darauf sie selbst mit James Joyce.
«Die Toten», «Der Zauberberg»: epische Erzählungen also, und existenzielle Stoffe. Es ist schon frappierend, wie sehr Manns Romane gerade wieder die Bühnen faszinieren, namentlich «Der Zauberberg».
Zum Beispiel mit dem Schnee-Kapitel, in dem Hans Castorp der Welt in Eisverwehungen abhanden kommt, wie bei Thom Luz in Basel. Oder in der «Fülle des Wohllauts», mit dem Grammofontrichter als Weltkondensat, wie jüngst bei Alexander Eisenach in Graz. Die Bühnen wollen so was nicht dem Film und seinem mehr oder weniger – meist ja mehr – abbildenden Zugang überlassen. Es sind Stoffe, die synästhetische Gegenwart fordern, einen Mehrwert über die reine Erzählung hinaus. Die Weltverlorenheit; die Musik; «Die große Gereiztheit» jetzt in Zürich. Der Titel bezieht sich auf das vorletzte Kapitel des Romans, in dem Mann die nationalistische Nervosität und die ...
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Theater heute Juli 2019
Rubrik: Aufführungen, Seite 12
von Andreas Klaeui
Wer braucht sie noch, die von rassistischen weißen Männern geschriebenen Klassiker? Wie viel künstlerische Freiheit darf sich andererseits politisch korrekte Kunst erlauben? Die Frage nach der Identität ist in den USA derzeit allgegenwärtig und beherrscht auch die Theaterwelt. Eine von Anbeginn an rassistische Gesellschaft bedarf zweifelsohne der Aufarbeitung ihrer...
Wie leicht es doch ist, aufzufallen in unserer (selbsterklärtermaßen) toleranten, offenen Gesellschaft! Ein ungewohnter Laut im Theater, ein Zucken des Kopfes in der U-Bahn, ein unkontrollierter Ausruf am Strand: Menschen mit Tics können ein Lied davon singen. Leises Pfeifen, Zungenschnalzen und Miau-Laute sind der Sound, mit dem «Chinchilla Arschloch waswas....
Sieht ein bisschen so aus, als würden jetzt gleich «Glückliche Tage» beginnen, und im nächsten Moment müsste Winnie sagen: «Wieder ein himmlischer Tag.» Die Schauspielerin Ulrike Arnold sitzt in der Mitte der Bühne des Nürnberger Schauspielhauses, leicht erhöht und eingehüllt in einen seidenen Vorhang, der sich über die gesamte Fläche ergießt und auf allen Seiten...
