Verhärtete Fronten
Wer braucht sie noch, die von rassistischen weißen Männern geschriebenen Klassiker? Wie viel künstlerische Freiheit darf sich andererseits politisch korrekte Kunst erlauben? Die Frage nach der Identität ist in den USA derzeit allgegenwärtig und beherrscht auch die Theaterwelt. Eine von Anbeginn an rassistische Gesellschaft bedarf zweifelsohne der Aufarbeitung ihrer Traumata.
Besonders Black Lives Matter schafft seit 2013 verstärkt ein dringend benötigtes Bewusstsein für den immanenten Rassismus und die ungerechte Verteilung von Privilegien in der US-amerikanischen Gesellschaft – aber stellt sich die Bewegung gelegentlich mit ideologischer Strenge selbst ein Bein?
Besonders in der akademischen Welt zeigten sich in der jüngeren Vergangenheit Muster verhärteter Fronten. Im amerikanischen Theatersystem, das nicht öffentlich gefördert ist, verfügen die Uni-Theaterabteilungen häufig über überdurchschnittlich viel Geld und große Bühnen, um die frischen Talente, die sie ausbilden, schon früh mit ansehnlichen Produktionen auf die Bühne zu bringen. Die Verhältnisse in der akademischen Welt unterscheiden sich selbstverständlich vom US-Theater im Allgemeinen, jedoch werden die entscheidenden ...
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Theater heute Juli 2019
Rubrik: International, Seite 44
von Henning Bochert
Das Theater, sagt Arthur Miller, kann nur Wahrheiten enthüllen, die schon bekannt waren, aber noch nicht als Wahrheiten erkannt worden sind. Welche Wahrheiten hat das Düsseldorfer Schauspielhaus enthüllt?
Wahrheit Nr. 1:
Das Theater ist eine Baustelle
Zunächst einmal war das Theater mit sich selbst beschäftigt. Nicht mit seiner Kunst, sondern mit seinem Gebäude....
Glückliche Tage! Wenn man Peter Simonischek zuhört, wird einem warm ums Herz. Von St. Gallen über Bern und Düsseldorf an die Berliner Schaubühne und dann weiter ans Wiener Burgtheater. Aus der Fläche an die hochbegehrten Bühnen, an großen Rollen und prominenten Regisseuren wachsen, eine Stadttheater-Karriere nach Maß. Dazu gehörte natürlich auch jede Menge...
Wie verhält es sich eigentlich mit der Quote bei den Puppen? Nein, hier wird nicht gefragt, ob die Parität gewahrt bleibt und endlich im selben Verhältnis männliche (also der Kasper zum Beispiel) und weibliche (etwa die Gretel) künstliche Wesen auf den Bühnen der Figurentheater vorkommen. Viel interessanter ist, wie sehr schon die digitale Welt in diesem doch immer...
