Bremen: Ans Eingemachte

Alice Zandwijk/Liet Lenshoek «Mütter» (U)

Theater heute - Logo

Das Foyer des Bremer Theaters hat sich in ein Pop-up-Restaurant verwandelt. Holztische stehen dicht an dicht, an den Wänden hängen bunte Plakate, arabischer Pop dudelt, hinter einer Bar köchelt scharfe Erdnusssoße. Alles wirkt auf undurchsichtige Weise gleichzeitig koordiniert und improvisiert, ähnlich den Kaschemmen, die man in Asien und Lateinamerika häufig am Straßenrand findet.

Das Bühnenbild, das John Thijs­sen und Lidwien van Kempen für das dokumentarische Stück «Mütter» am Bremer Theater gebaut haben, erfüllt seine Aufgabe: Es zwingt den Zuschauer ins Stück, macht ihn zum Gast, der nicht angespielt, sondern bewirtet wird.

Alice Zandwijk hat in Bremen immer wieder genau gearbeitete Literaturerkundungen inszeniert, zuletzt Storms «Schimmelreiter» und Tol­stois «Auferstehung». In ihren freien Arbeiten lief sie hingegen oft Gefahr, ins Gefühlige abzurutschen, eine Gefahr, vor der auch «Mütter» nicht gefeit ist. Das Konzept haben die Regisseurin und ihre Dramaturgin Liet Lenshoek schon 2007 in Rotterdam und 2017 in Luzern erprobt: Eine Gruppe Frauen ohne große Theatererfahrung wird gecastet, und diese möglichst divers aufgestellte Gruppe kommt sich über das gemeinsame Kochen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2019
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Falk Schreiber

Weitere Beiträge
Vorschau - Impressum (7/2019)

Shakespeare, meint Johan Simons, sei wie ein Wald mit Hügeln, Bäumen, Teichen und Moorseen: «Man rutscht leicht aus, der Boden ist glitschig.» Mal sehen, wohin der Waldspaziergang «Hamlet» mit Sandra Hüller führt 

Cennet Rüya Voss musste schon einige patriarchale Rollenmuster aus dem Repertoire kontern – ein Porträt

Wenn die Pointen immer dichter hageln auf die...

Figurentheater: Maschine kann warten

Wie verhält es sich eigentlich mit der Quote bei den Puppen? Nein, hier wird nicht gefragt, ob die Parität gewahrt bleibt und endlich im selben Verhältnis männliche (also der Kasper zum Beispiel) und weibliche (etwa die Gretel) künstliche Wesen auf den Bühnen der Figurentheater vorkommen. Viel interessanter ist, wie sehr schon die digitale Welt in diesem doch immer...

Düsseldorf: Film und Theater

Filme auf dem Theater haben den Vorteil der geschlossenen Erzählung, die das Publikum schätzt, die das Theater, das sich um avancierte Zeitgenossenschaft bemüht, aber hinter sich gelassen hat. Filme auf dem Theater haben den Vorteil, dass das Theater an einem theaterfremden Stoff alle seine vielfältigen Mittel der ästhetischen Brechung linearer Narrativität...