Exorzismus
Am Anfang war: ER. Der Mensch als Maß aller Dinge, damit er über die Fische im Meer und die Vögel am Himmel, über das Vieh und alle wilden Tiere und über alle Kreaturen, die sich über den Boden bewegen, herrschen konnte.
Er trennte sich vom Tanzen und Rezitieren des griechischen Chorus und sprach: «ICH» – die Geburt des tragischen Helden. Von dort ging er hinaus in die Welt, um sie und all ihre Bewohner zu erobern. Er ernannte sich selbst zum «ICH» und den Rest zum «Anderen».
Er erklärte sich zu einem vernünftigen und denkenden Wesen und erzählte auf der Bühne von seinen Abenteuern: Eroberung der Wilden und Schlachtung der Tiere.
Der Monolog des Imperialisten über die Condition humaine war ausgezeichnet. Er erzählte uns, wie er nach Gottes Bild erschaffen wurde: ER machte sich zu einem Subjekt – einem tragischen Adam, der aus dem Paradies verjagt wurde, von Eva verführt. Unser Protagonist ruft, er weint, er fleht, er rührt das Publikum zu Tränen. Sie erkennen sich in ihm wieder! Der Beifall ist endlos. Die Kritiker knien vor ihm darnieder.
Aber jetzt! Mitten in seinem Auftritt verzerrt sich das Gesicht unseres Protagonisten, seine Worte werden zu dünnflüssigem Brei, ...
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Theater heute Juli 2019
Rubrik: Künstlertext, Seite 56
von Susanne Kennedy
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Filme auf dem Theater haben den Vorteil der geschlossenen Erzählung, die das Publikum schätzt, die das Theater, das sich um avancierte Zeitgenossenschaft bemüht, aber hinter sich gelassen hat. Filme auf dem Theater haben den Vorteil, dass das Theater an einem theaterfremden Stoff alle seine vielfältigen Mittel der ästhetischen Brechung linearer Narrativität...
