Leipzig: Der Teufel sind die anderen
Von Sorge zu Sorge spannt sich dieses Faustens Lebensbogen, spannt sich dieser sechsstündige Leipziger Erlebnisabend, der mit «Faust II» anhebt, den «Faust I» durchreist, ein poetologisches Puppenspiel zur Erklärung von Goethes Hauptwerk einschaltet, bald das Publikum entlang von «Faust»-Motiven auf Erkundungstouren durch die Stadt schickt, um gegen Mitternacht auf der großen Schauspielbühne zu «Faust II» rückkehrend zu enden.
Auch sechs Stunden Eventtheater sind nicht viel für die faustischen Erdentage, deren Spur bekanntlich in Äonen nicht untergeht.
Und also steckt Enrico Lübbe den Protagonisten in Siebenmeilenstiefel. Taumelnd auf einer riesigen Drehscheibe zu düsteren Atmosphären trifft der Faust von Wenzel Banneyer bereits im Intro binnen weniger Verse auf die Flugübungen des Euphorion (in Kinderstimmen gekleidet), auf die Klagen von Philemon und Baucis, schließlich auf die Allegorien von Mangel, Not, Schuld und eben: die Sorge.
Der starke Akzent auf der Sorge wirkt zunächst sinnfällig, scheint an neueste «Faust»-Deutungen anzuschließen. Im Auftritt der mit Heidegger gesprochen «existenzialen» Sorge manifestiert sich die grundlegend offene Disposition des modernen ...
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