Leichen pflastern ihren Weg
Da steht er, der Triceratops. Streckt sein behörntes Haupt in einen wolkigen Himmel, als wittere er etwas Vielversprechendes, während im Hintergrund bereits sein Fressfeind lauert, der Tyrannosaurus Rex. Die Rivalität der Ausgestorbenen stimmt in den Abend ein, der von einigen schrägen Figuren handeln wird, die sich bereits auf der Schwelle zum Tod bewegen, oder zumindest recht energisch mit ihrer Sterblichkeit liebäugeln, um ihr einen Lebenssinn abzutrotzen.
In den Kammerspielen des Schauspiel Frankfurt hat Rieke Süßkow «Mein Lieblingstier heißt Winter» auf die Bühne gebracht, Ferdinand Schmalz’ Romandebüt von 2021. Alle Figuren tragen sprechende Namen. Sie heißen Schauer und Schlicht, Bitter und Teufel und sind also nachweislich eher Schatten eines Selbst, eher Repräsentant:innen und Schießbudenfiguren als vollausgestattete Charaktere. Ein allmächtiger Erzähler sortiert sie wie Spielfiguren auf dem Feld.
In dem knapp 200-seitigen Roman fährt Tiefkühlkostlieferant Franz Schlicht während der Hundstage seine Ware aus wie stets, als ein langjähriger Kunde mit einer ungewöhnlichen Bitte daherkommt: Dieser Schauer möchte sich, krebserkrankt, mit Tabletten betäubt in seine ...
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Theater heute Juni 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 21
von Esther Boldt
Wenn das Telefon klingelt, ist der Spaß vorbei. Dann ist Rom in der Leitung, die Pflicht ruft. Immerhin leben Antonius und Kleopatra noch im Zeitalter der Wählscheibenapparate mit Kringelschnur, die Erreichbarkeit bleibt also überschaubar. Sonst würde Shakespeares Plot auch in sich zusammenbrechen, der zwischen Äypten und Rom zwei Welt- und Menschenbilder...
Es beginnt sehr laut, mit einem Auto-Crash – «Crash», so hieß Karsten Dahlems erster Kinolangfilm noch, als er bei den Hofer Filmtagen zum ersten Mal zu sehen war. Chrissi, Polizistentochter aus der badenwürttembergischen Kleinstadt Nußdorf, ist als Stuntfahrerin in einer Autoshow kollidiert, jetzt fährt die Profiraserin einen Rollstuhl, in dem sie in ihr...
WWW.ARTE.TV
bis 28.8., Nino Haratischwili: «Georgien hat mich nie verlassen»
Dokumentation, Deutschland 2022 Regisseurin Eva Gerberding hat Nino Haratischwili nach Tiflis begleitet. Die Dokumentation taucht mit Archivmaterial, Interviews und kleinen Spielszenen ein in das Georgien der 1990er Jahre.
bis 15.7., Bilder (m)einer Mutter
Der Dokumentarfilm ist...
