Lebendige Geister
Der gebürtige Rostocker Jörg Pose betritt als erster allein die Bühne, setzt sich auf einen Stuhl an der Rampe, zuckt und zupft an sich und seinem Harlekinspyjama herum. Er hebt an, von einem seltsamen Fiebertraum zu erzählen, in dem der Träumende schon gestorben ist und sich mit anderen auf eine Reise und in «ein Haus aus geballter weicher Luft» begibt, dann aber doch im Theater landet und dort beinahe von einer Frau erwürgt wird.
Jörg Pose spricht diesen Text mit einer konzentrierten Unruhe, die das Publikum sehr genau hinhören lässt: Wer spricht da?
Kenner:innen des Werks von Thomas Brasch wissen, dass Poses Text aus dem schmalen Prosaband «Mädchenmörder Brunke» stammt, aber diese Quellenangabe ist vielleicht gar nicht so wichtig. Wichtiger ist der fragile Ton, den Jörg Pose zum Auftakt anschlägt: Er steht leicht quer zu der maskulinen Rebellenverehr -ung, die Braschs Werk durchaus kennzeichnet. Tom Kühnel und Jürgen Kuttner, die seit gut einem Jahrzehnt am Deutschen Theater das Ost-Erbe kritisch pflegen und befragen, haben aus Gedichten, Prosatexten, Briefen, Filmausschnitten und zwei ausufernd einordnenden Kuttner-Interventionen den nach einer breitbeinigen Gedichtzeile ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2025
Rubrik: Aufführungen, Seite 17
von Eva Behrendt
Ein Hochhausdach, vier Personen, kein Handy, kein Schlüssel, und die Tür zum Treppenhaus fällt ins Schloss. Dumm gelaufen, nicht nur für Ava, 30, die vor zu viel Sozialstress aus ihrer Wohnung aufs Dach geflohen ist. Ebendort und not amused sind jetzt auch die drei Stressursachen: Robin, 32, hatte eben noch wunderbaren bekifften Sex mit Ava und ist mit einem Mann...
Wäre dies ein Stück von Ferdinand von Schirach, wir bekämen irgendwann im Laufe der Aufführung mit Sicherheit Stimmzettel in die Hand gedrückt – um zu «entscheiden», welche der Positionen für uns denn nun «richtig» sei. Jedenfalls hat Yasurs jüngstes, jetzt auf Deutsch in Kassel erstaufgeführtes Stück viel von dieser Methode und deren Sound. «Triage» heißt die...
Alles ganz normal. Sie brauche keine Sorge haben, beruhigt der Psychiater Doktor Prentice (Jörg Zirnstein) eine junge Bewerberin (Aleksandra Kienitz) für seine Sekretariatsstelle. Dass sie sich ausziehen müsse, diene allein der Prüfung ihrer Qualitäten, pardon, Qualifikationen. Und auch der Ausdruck Befummeln wäre für die Hand auf dem Schenkel eher...
