Leben zwischen Gräbern

Biljana Srbljanovic «Barbelo. Von Hunden und Kindern»

Theater heute - Logo

Eine verkehrte Welt ist das, diese Welt nach dem Krieg. Die Toten mischen sich unter die Lebenden, Identitäten lösen sich auf in einem Meer von Ungewissheiten, und überall streunen Hunde herum, werden zu ersehnten Kindern, Hoffnungsträgern oder unheilvollen Wider­gängern.

Auch wenn der reale Krieg kein ausdrück­liches Thema in Biljana Srbljanovics Auftragsstück für das Schauspiel Essen ist, verweben seine Traumatisierungen und Verletzungen die Geschichten und Geschicke der Figuren. Milica, die Ex-Frau des Parteifunktionärs Marko, hat sich umgebracht.

Marko versucht dies vor seinem Sohn Zoran, der am liebsten auch Marko hieße, geheim zu halten, doch das Kind hat schon längst alles durchschaut und betäubt seinen Kummer mit maßlosem Essen. Zudem macht er Milena, der Freundin seines Vaters, das Leben schwer. Milena wiederum treibt ziellos durch den Tag, wähnt sich mehrfach schwanger und gebiert doch nur einen Ehering, raucht mit dem sonderbaren Polizisten Dragan Hasch und schreibt unermüdlich Briefe an ihre nicht antwortende Mutter. Ein düsterer, sehnsuchtsvoller Reigen von Eltern-Kind-Varianten zieht sich durch das Stück. Neben der rätsel­haften Metaphorik geben der lakonische Ton ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2009
Rubrik: Chronik, Seite 47
von Natalie Bloch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Fukuyamas Handtasche

Was ist eigentlich aus dem «Ende der Geschichte» geworden? Dem amerikanischen Politikwissenschaftler Francis Fukuyama zufolge hat es bereits vor zwanzig Jahren stattgefunden, als sich der Weltgeist nach langem Ringen im Kalten Krieg schließlich für Kapitalismus und Demokratie entschied. Seither leben wir im Posthistoire – und haben vor allem Geschichte im Kopf.

Wenn...

Gefeiert wird später

Eine Löwin, eine «niederbayerische Löwin», «Nachbarin Courage» und, natürlich, «Mutter Courage des Volkstheaters» wurde sie, schon in den Überschriften der Nachrufe, tituliert. «Die Mama ist tot», war zu hören, und man rief Zeitzeugen ins Gedächtnis: Bei Brecht habe sie im Berliner Ensemble gearbeitet und bei Peter Stein in der Berliner Schaubühne, zusammen mit...

Moral als Fetisch

Was tun, wenn das Leben nach dem Lustprinzip einen Sättigungsgrad erreicht hat, der jede Steigerung zur Mühsal werden lässt? Wenn Ausschweifung nur noch anstrengend ist und nicht einmal die Macht mehr müde Männer munter macht? Man könnte sich entspannt zurücklehnen und einfach abwarten, bis sich die Libido von selber wieder regt. Oder man inszeniert – um die...