Jetz lenk nich ab!
Die Szene ist ein Restaurant am Abend. Draußen, vor dem großen Schaufenster, prügelt ein Mann auf eine Frau ein. Alle schauen hin – keiner macht was. Aber jeder sagt was anderes dazu. An elf Tischen verstummt für einen Moment die Unterhaltung, um dann das Ereignis zu bewerten oder eigenes Nichthandeln zu erklären. Da ist zum Beispiel die ältere Dame von auswärts, die sich indigniert abwendet und lieber auf den Banana-Split freut. Am Tisch von vier Jugendlichen hört man «voll Hartz IV» und «nimm mal auf!».
Während ein kleiner Junge laut ruft «Die kloppen sich!» und die Mutter ihm erklärt, warum der Papa da besser nicht hingeht. Bestimmt kommt ja sowieso gleich die Polizei und regelt alles – Verantwortungsdiffusion.
Diese Frage nach der Zivilcourage auf offener sozialer Bühne steht im Zentrum des Hörspiels «Ruhe 1» von Paul Plamper, der damit ein Stück ohne Script inszeniert hat. Entstanden sind die einzelnen Tischszenen nach dem Prinzip der gelenkten Improvisation. So kann Irm Hermann ihrer genervten Bekannten (Cristin König) von dem süßen Hundchen eines Obdachlosenzeitungsverkäufers in der U-Bahn vorschwärmen, während sie zugleich herrisch ablehnt, auf die Situation näher ...
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Es gibt Menschen, die sagen zu ihrer Frau «Mutti». Und es gibt Menschen, die müssen zu ihrer Frau nicht mal «Mutti» sagen, es stimmt auch so. Solche Menschen hat das Leben so nah zusammengeführt, dass ihnen vor nichts mehr graust. Schon gar nicht vor ihren Liebsten.
Gretschke und Mechthild beispielsweise, die sich gerne in Niederlausitzer Mundart unterhalten, ein...
Zwei Männer auf Segeltörn, auf dem trunkenen Schiff: Der Eine und Der Andere. Wir vermuten, dass das nur zwei Namen sind für ein- und denselben, nämlich den Autor. Jon Fosse schreibt hier sein poetologisches Programm als Stück auf. Könnte man sagen. Ziemlich kurze Pause. Vielleicht auch nicht. Pause. Oder doch. Kurze Pause.
Nach diesem Abend fühlt man sich gleich...
War es dies etwas verhaltene Mädchenlachen, ein Versprechen von welschem Charme? Oder ihre streng aufrechte Haltung, die von protestantischer Disziplin erzählte? Als Gilberte de Courgenay in Franz Schnyders gleichnamigem Debütfilm spielte sich Anne-Marie Blanc 1941, gerade 22 Jahre alt, in die Herzen eines schweizerischen Publikums, deutsch und welsch – und da...
