Learning or Leaving Las Vegas
Sehr wahrscheinlich haben Menschen schon in der Altsteinzeit Echo und Schallwellen zur Orientierung in dunklen oder unbekannten Höhlen genutzt. Auch die religiöse Musik des 16. Jahrhunderts, die ihre metaphysischen Quellen in der antiken Sphärenharmonie hat, könnte mit den beeindruckenden mehrchörigen Werken als Suche nach gemeinschaftlicher akustischer Orientierung verstanden werden.
Adrian Willaert, ein Superstar des Cinquecento mit Fans in ganz Europa, gilt dabei als Wegbereiter der venezianischen Mehrchörigkeit, indem er in seinen Kompositionen Chöre und Instrumentalgruppen ganz bewusst für ein spezielles räumliches Erlebnis in der einzigartigen Architektur des Markusdoms anordnete.
Für die später entwickelte klassische Konzertkultur, in der sich bald der Dirigent als Machtposition zwischen Orchester und Publikum etabliert hatte, entwickelte Hans Scharoun mit der Berliner Philharmonie einen Raum, der Musik und Zuhörende wieder gleichzeitig ins Zentrum der Raumwahrnehmung setzte. Das 20. Jahrhundert brachte vor allem durch technische Entwicklungen radikale Änderungen akustischer Umgebungen und auch der Räume für Musik, Performance und Film. Am Beginn standen technische ...
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Theater heute August/September 2024
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Moritz Lobeck
Das Patriarchat ist tot. Bleich und leblos liegt es (Sigmund Peter/Rainer Böhme) auf dem von schwarzen Stofffetzen übersäten Bühnenboden des Schauspiels Frankfurt. Es handelt sich um den Vater der vier Brüder Karamasow, Fjodor: ein unerträglicher Schwätzer, Schmarotzer und Schürzenjäger, der seine Frauen systematisch in die Verzweiflung getrieben hat. In...
Imposante Gestalten bewegen sich wie schwerelos durch den Zuschauerraum. Gianna-Sophia Weise hat identisch prächtige Kleider aus rotweißem Brokatstoff entworfen: bodenlange taillierte Röcke, die schwingend an Derwischgewänder erinnern, dazu passende Oberteile mit weiten Kapuzen, die ihre Träger:innen optisch fast um einen Kopf vergrößern. Drunter, das kriegen wir...
Zum Schluss gab’s noch eine große Oper. Die Ausweitung der Sprechtheaterzone war für Nicolas Stemann und Benjamin von Blomberg in den vergangenen fünf Jahren Programm am Schauspielhaus Zürich – siehe auch das Gespräch im letztem Heft. Die Regisseurin und bildende Künstlerin Wu Tsang war dabei eine der federführenden Hauskünstler:innen. Ihre «Carmen» nun nach...
