Rasender Stillstand
Alles an Thomas Manns «Zauberberg» scheint sich gegen die Bühne zu sträuben, ist doch das Ziel des viele hundert Seiten langen Romans die Übersetzung eines aus den Fugen geratenen Zeitgefühls in Prosa. Trotzdem oder gerade deshalb schafft es dieser Romanklassiker immer wieder auf deutschsprachige Bühnen – kompakt nacherzählt wie im vergangenen Jahr bei Bastian Kraft an der Wiener Burg oder auch, wie bei Sebastian Hartmanns Inszenierung von 2021, reduziert auf den Fiebertraum, den Protagonist Hans Castorp bei einer Wanderung im Schneesturm heimsucht.
In Weimar hat sich nun Regisseur Christian Weise dieser Abschlussgedanken des langen 19. Jahrhunderts angenommen und einen ganz eigenen Zugang gefunden. Die «Buddenbrooks» hatte er im letzten Jahr bereits in vier schmackhafte Teile zerlegt, mit viel Live-Musik der Weimarer Philharmonie, klarem Fokus auf die Protagonisten und dem Einsatz von viel Live-Video. Dieses Mal gibt es es kein Video, aber eine Art Kammerorchester (oder muss man es eine Band nennen?) der Philharmonie ist hinter dem Bühnenbild versteckt auch wieder dabei. Bühnenbildnerin Nina Peller hat als ersten Eindruck das Setting einer Boulevardkömodie auf die Bühne ...
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Theater heute August/September 2024
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Torben Ibs
Aus der Erinnerung gibt es kein Entkommen, sie vergiftet die Gegenwart in vielen Schichten. Spektakulär und alptraumhaft verschieben sich die Wände, die Andreas Kriegenburg in Düsseldorf als Bühne gebaut hat. Immer neu beleuchtete klaustrophobische Räume wachsen hier wie Lebewesen: Von der einen Seite sind es holzarti -ge Lattenzäune, von der anderen Seite sterile,...
TH Die Themis-Vertrauensstelle gegen sexuelle Belästigung und Gewalt in der Kultur-, Medienund Musikbranche e.V., wie es mit vollem Namen heißt, gibt es seit dem Oktober 2018, und sie ist eine schöne – beziehungsweise eher unschöne – Erfolgsgeschichte. Die Zahl der auf Wunsch anonymen Beratungsgespräche in entweder psychologischer und/oder juristischer Hinsicht hat...
In der Mitte der Videothek in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, zwischen weißen DVD-Displays, Kunstpflanzen, Stapelstühlen und Filmplakaten, liegt ein roter Teppich auf dem Boden, darauf warten große Haushaltsscheren. Während Charlie Chaplin auf dem großen Screen im Hintergrund einen Monolog in Schwarzweiß hält – seine berühmte «Rede an die Menschheit» aus...
