Learning by doing
Vor zwei Jahren kamen die Regisseurinnen Anta Helena Recke und Julia Wissert bei einer Veranstaltung der Berliner Akademie der Künste zusammen, um über ihre Arbeit zu sprechen. Und unvermeidlich auch: über ihre Erfahrungen als schwarze Deutsche mit Ausgrenzung und Rassismus im Alltag ebenso wie im Theaterbetrieb. Dreimal täglich denke sie daran, das Land zu verlassen, sagte Wissert da, und Recke pflichtete ihr bei. Aber, so Recke: «Who else would do the work that really should be done? White people who do not even know that they are white are not going to do the work.
» – «Wer sonst würde die Arbeit erledigen, die wirklich getan werden sollte? Weiße Menschen, die nicht einmal wissen, dass sie weiß sind, werden es nicht tun.» Die Arbeit, um die es hier geht, ist: Der Theaterlandschaft in die bundesdeutsche Gegenwart zu verhelfen.
Lange galt Theater als Ort, an dem Dinge anders gedacht werden können, an dem Strukturen infrage gestellt und neu erfunden werden können. Es galt als politischer Ort, als Ort, an dem eine Gesellschaft zusammenkommt und sich über die Grundlagen ihres Zusammenlebens verständigt. In den letzten Jahren aber wurde immer sichtbarer, wie sehr es auch geprägt ist ...
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Theater heute Oktober 2020
Rubrik: Report, Seite 48
von Esther Boldt
Der beste Moment in Pauls Leben, jedenfalls wenn es nach seiner Erzählerin Sibylle Berg geht, war der, als er sich mit 15 in einen Mitschüler verliebt hat. Eine Nacht im Zelt am See – das muss genügen. Was davor und danach kam, ist das Durchschnitts-Unglück des mittleren Angestellten ohne besondere Eigenschaften: «Dieses Wissen, nichts zu können / die Ahnung,...
Mit Macht zurück auf die Bühne, genauer gesagt auf die alten analogen Bretter, das ist der Weg, den Christian Stückl, Intendant des Münchner Volkstheaters, eingeschlagen hat, und zwar so früh, dass die meisten seiner Kollegen noch gar nicht davon zu träumen wagten. Bereits Anfang Mai, als viele Theater noch in Schockstarre verharrten und in den...
Die Queen verlieh dieses Jahr einen Ritterorden für «services to drama» an James Graham. Mit relativ zarten 38 Jahren liegt er weit unter dem Durchschnittsalter für solch hochexklusive Insel-Ehren. Aber an Graham ist auch sonst nichts durchschnittlich: Er ist der zur Zeit produktivste politische Autor im britischen Theater, mit über 20 Arbeiten für die Bühne nebst...
