München Volkstheater: Schöpfung und Untergang
Mit Macht zurück auf die Bühne, genauer gesagt auf die alten analogen Bretter, das ist der Weg, den Christian Stückl, Intendant des Münchner Volkstheaters, eingeschlagen hat, und zwar so früh, dass die meisten seiner Kollegen noch gar nicht davon zu träumen wagten. Bereits Anfang Mai, als viele Theater noch in Schockstarre verharrten und in den Pandemie-Verordnungen der Ministerien höchstens als Fußnote vorkamen, verkündete Stückl auf einer mitreißenden Pressekonferenz sein Konzept für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs.
Sich in vorauseilender Begeisterung mit der Verlagerung aller Aktivitäten in den virtuellen Raum abzufinden, ist für ihn zu keinem Zeitpunkt eine Option. «Dazu bin ich einfach zu analog», gibt Stückl unumwunden zu. Abwarten und Nichtstun jedoch wären für den kettenrauchenden Workaholic, dem mit der Verschiebung der Oberammergauer Passionsspiele auf 2022 bereits der Hauptact der Saison weggebrochen ist, so etwas wie kalter Entzug.
Rettung versprach ein kühn selbstgebastelter Krisenplan: die Vorverlegung der Sommerferien für die Mitarbeiter ins Frühjahr, im Anschluss daran parallel stattfindende Proben zu fünf coronatauglichen Produktionen, die nach der Eröffnung ...
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Theater heute Oktober 2020
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Silvia Stammen
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