Maschinenräume der Macht
Die Queen verlieh dieses Jahr einen Ritterorden für «services to drama» an James Graham. Mit relativ zarten 38 Jahren liegt er weit unter dem Durchschnittsalter für solch hochexklusive Insel-Ehren. Aber an Graham ist auch sonst nichts durchschnittlich: Er ist der zur Zeit produktivste politische Autor im britischen Theater, mit über 20 Arbeiten für die Bühne nebst fünf Fernsehfilmen.
Seine – immer spezifisch britischen – Themen reichen von den strategischen Manövern der Leave-Kampagne in «Brexit: The Uncivil War» über die internen Kämpfe der Labour Party mit «Labour of Love» bis zu Margaret Thatchers Jugend in «Little Madam».
Angefangen hat Grahams akutes politisches Interesse in Kindertagen. Er wuchs in der nordenglischen Bergarbeiterstadt Annesley auf und erlebte, wie nach dem Überlebenskampf der britischen Kumpel gegen Thatcher, dem epischen «Miners’ Strike», die Gruben rundherum schlossen. «Ich erinnere mich, wie es sich angefühlt hat, in einer postindustriellen Stadt in den 1990ern aufzuwachsen und keine Stimme zu haben, nicht gehört zu werden. Mein heutiges Interesse an Machtstrukturen kommt wahrscheinlich vom Gefühl der absoluten Machtlosigkeit in unserer Stadt», sagt er ...
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Theater heute Oktober 2020
Rubrik: Akteure, Seite 42
von Patricia Benecke
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