Die große Frage
Der beste Moment in Pauls Leben, jedenfalls wenn es nach seiner Erzählerin Sibylle Berg geht, war der, als er sich mit 15 in einen Mitschüler verliebt hat. Eine Nacht im Zelt am See – das muss genügen. Was davor und danach kam, ist das Durchschnitts-Unglück des mittleren Angestellten ohne besondere Eigenschaften: «Dieses Wissen, nichts zu können / die Ahnung, nichts zu sein.» Was dennoch nichts daran ändert, dass er in Corona-Zeiten still verzweifelt und sich sein altes Großraumbüro-Leben zurückwünscht.
«Paul oder Im Frühling ging die Erde unter», ein Auftragswerk fürs Kunstfest Weimar und Schauspiel Köln, hat sonst wenig Erfreuliches zu vermelden von einem, der nur «Rand ohne Gruppe» ist, der keine Anerkennung erfährt, den seine Mitschüler mobben und die Eltern nicht verstehen. Und der gleichwohl – oder gerade deshalb – einen extrascharfen Blick für seine Mitmenschen entwickelt hat, für ihre Gewohnheiten, ihre Gleichgültigkeiten, ihre trüben Freuden, ihr tumbes Durchhalten: «Dass immer alles so viel schäbiger war, als man es sich dachte.»
Kurz vor Pauls bestem Moment haben auch Regisseur Ersan Mondtag und Benny Claessens ihren einzig guten Moment. Claessens, der im ersten ...
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Theater heute Oktober 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 22
von Franz Wille
Der Austausch der Kulturverantwortlichen in Ungarn, «Elitenwechsel» genannt, hat eine letzte Etappe erreicht: die (im Ungarischen gut deutsch «Einstand» genannte) Übernahme der Budapester Theater- und Film-Universität (SZFE) in diesem Sommer durch die regierungsnahe «Stiftung für Theater und Filmkunst». Man kann das als Fortsetzung des vom Orbán-Regime propagierten...
Es ist Sommer. Es ist Pandemie. Das Theater menschenleer. «Es wird nie wieder so sein wie früher», orakelt einem die strenge Stimme in die Ohren, während man sich, mit ipod und Kopfhörern ausgerüstet, auf eine interaktive Reise durchs Stuttgarter Schauspielhaus begibt – je eine Person im 5-Minuten-Abstand. Der Regisseur Stefan Kaegi vom Theaterkollektiv Rimini...
Der Ozean schäumt, gischtet, brandet. Wellen türmen sich zu enormer Höhe auf, Wassermassen schieben heran, ein schwarzgraues, dunkles Wogen, das in weißer, brodelnder Gischt endet, während sich im Hintergrund schon die nächsten Riesenwellen aufschichten, schieben, gischten, bis sie brechen. Der silbergraue Himmel geht unterschiedslos in wütendes Wasser über....
