Lauter Text

Gattungsgrenzen der Dramatik sind heruntergetretene Zäune, findet Caren Jeß in ihrer Poetikvorlesung an der Universität Duisburg-Essen: Die Dramatik ist jetzt ein Gattungshybrid. Das ist nicht schlimm. Das ist Kunst

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Es geht mir um Text, der gesprochen wird, Text, der verkörpert wird, durchaus auch mal um Text, der geschrien werden muss, denn einiges drängt so aggressiv nach vorne, dass ihm gemäßigte Verlautbarung nicht genügt. Dramatik ist die literarische Gattung, die Gestalt annimmt, nämlich durch die Begegnung mit anderen künstlerischen Disziplinen: Regie, Schauspiel, Bühne, Kostüm, Licht und Ton und noch einige mehr. Die Dramatik kommt also erst durch ihre Bandenorganisation zur vollen Blüte.

Dabei möchte ich betonen, dass alles, was ich Ihnen erzähle, meine persönliche Perspektive ist, nicht mehr und nicht weniger kann ich Ihnen vermitteln, von Allgemeingültigkeit nehme ich weitestgehend Abstand. Die Ich-Perspektive hört sich immer etwas selbstbezogen an, sie ist für mich aber eine logische Konsequenz daraus, dass wir Autor:innen alle unterschiedlich schreiben, in unseren Inhalten, Stilen, aber auch in unserem praktischen Arbeitsalltag, in unseren Produktionsweisen. Dieser Beruf ist eine hochindividuelle Angelegenheit. (…)

Dramatik, yes
Dramatik, was ist das eigentlich? Was genau ist performativer Text? Zunächst ist da die Zeitlichkeit. Inszeniert auf der Bühne ist Dramatik zwangsläufig ...

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Theater heute Jahrbuch 2024
Rubrik: Neue Stücke, Seite 136
von Caren Jeß

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