Die Zeit läuft aus dem Ruder
Angst bildet die Seelenwirklichkeit der mittleren Lagen in unserer Gesellschaft … In Begriffen der Angst fühlt sich die Gesellschaft selbst den Puls» – es ist schon einige Jahr her, dass der Soziologe Heinz Bude mit solchen Sätzen aus seinem Buch «Gesellschaft der Angst» in der interessierten Öffentlichkeit für Aufsehen sorgte. Im Licht der jüngeren Wahlergebnisse erscheint eine Wiederbegegnung mit Budes Gedanken über Angst, Gesellschaft und Politik lohnend.
Eine Analyse des IfD Allensbach aus dem vergangenen Sommer zeigt etwa, dass diejenigen Anhänger:innen der AfD, die nicht bereits dem verfestigt rechtsextremen Spektrum zuzurechnen sind, sich im Vergleich zur Gesamtbevölkerung durch deutlich stärker empfundene Ängste vor Identitäts- und Statusverlust sowie das allgemeine Gefühl einer drohenden, in naher Zukunft bevorstehenden Katastrophe auszeichnen. Dem Satz »Ich bin fest davon überzeugt, dass unsere Gesellschaft unaufhaltsam auf eine ganz große Krise zusteuert» stimmten 62 Prozent der AfD-Anhänger zu, aber nur 30 Prozent der Gesamtbevölkerung. Das politische Geschäft mit der Angst, das Bude und andere bereits seit einigen Jahren beschreiben, hat 2024, wie es scheint, ...
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Theater heute Jahrbuch 2024
Rubrik: Neue Stücke, Seite 161
von Alexander Leiffheidt
Die Berliner Festspiele luden vom 13. bis 16. Juni zu den Thementagen «Reflexe & Reflexionen. Der 7. Oktober, der Gaza-Krieg und die Debatte in Deutschland» ein. Wie vergiftet die Debatte ist, zeigte sich am langen Katalog der «Richtlinien für freie Meinungsäußerung und respektvollen Austausch», den die Festspiele sich schon vorab zu veröffentlichen bemüßigt...
Endlich erhält in den letzten Jahren die Frage, wie Menschen mit Behinderungen in den Theatern sichtbar werden und aktiv vorkommen können, zunehmend die dringend gebotene Aufmerksamkeit im deutschsprachigen Diskurs. Gleichzeitig gibt es bisher noch immer wenige dramatische Texte, die sich mit dem Komplex Inklusion auseinandersetzen. Der 1987 in Bochum gebore -ne...
Ich habe mich vor allem in den letzten Jahren sehr über das Stadt- und Staatstheatersystem geärgert. Ich kam als junger Mensch mit Begeisterung ans Theater, weil ich dachte, die Bühne sei der Ort, auf der sich alle Darstellungsmittel auf so spektakuläre Weise verbinden können. Im Gegensatz zu allen anderen Künsten können im Theater wirklich alle Wahrnehmungsebenen...
