Launen von Zufall und Fügung
Nur Robert Lepage kann sich so etwas ausdenken: Ein Stück über die menschliche Stimme, das sich zu einer Neun-Stunden-Aufführung über Leben und Welt auswächst – das längste seiner langen Bühnenepen und das ehrgeizigste. (Dass er demnächst an der Met den «Ring» inszeniert, scheint da nur folgerichtig.) Derzeit dauert «Lipsynch» allerdings erst vier Stunden plus zwei 30-minütige Pausen, wenn es ab Sommer 2008 durch Europa tourt, soll es auf volle Länge angewachsen sein: neun Geschichten in neun Stunden, die von 1945 bis 2015 reichen.
Seit fünf Jahren arbeitet die Gruppe an dem Stück, on and off, sich immer wieder irgendwo auf der Welt zu Brainstorming und Improvisationsproben versammelnd, für ein paar Tage oder Wochen, auf dass Geschichten entstehen, Figuren und Themen, an denen alle Anteil haben, die allen gehören und von allen gemeinsam entwickelt werden.
Dies ist ein Projekt, größenwahnsinnig und grandios, randvoll mit jener unverwechselbaren Magie aus High Tech und Kinderstaunen, die das Publikum in eine Theaterwelt lockt, in der alles möglich ist und folglich auch geschieht. Die Aufführung ist tragisch und komisch, erschreckend und befreiend, man kann ihr verfallen und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Laut Szenenanweisung spielt das Stück in «Marlboro Country an der Grenze des Erträglichen», in diesem Fall also irgendwo in der österreichischen Prärie. Und zwar so weit weg vom Schuss, dass der Postbote (Dominik Warta) sich nur einmal die Woche hierher verirrt. Ezra (Dominik Maringer) betreibt hier eine Kneipe, Golsch (Jan Thümer) und Der Pinguin (Franz Josef...
Einmal eine grünlich vermoderte und wasserunterspülte Bretter-Bruchbude als nach allen Seiten vernagelte Familiengruft, einmal eine piccobello furnierte Wohn-Esszimmer-Kombination mit offener Terrasse in Cinemascope-Breitformat. Einmal zeitlos stilisierte Familienaufstellung, einmal psychologischer Realismus im 40er-Jahre-Ambiente. Einmal choreografiert...
Hey, Professor, übernimm dich nicht, rief sie mir zuletzt am Telefon zu, ich brauch dich doch, und dann kicherte sie wie ein Backfisch, wie sie es so gerne tat; albern nannte sie mich Higgins und sich Eliza, als ob irgendjemand ihr noch irgendetwas hätte beibringen können. Wie immer dann rheinische Abschiedsgrüße: Mach et joot!
Nun also hat sie sich selber...
