Grüße aus Mythonos

Alte Geschichten, neu erzählt: Dimitré Dinevs «Das Haus des Richters» und Karin Beiers «Maß für Maß» frei nach Shakespeare in Wien

Theater heute - Logo

Quizfrage: Auf welchen Mythos aus der griechischen Sagenwelt bezieht sich das Theater­stück «Das Haus des Richters»? Der bulgarisch-österreichische Autor Dimitré Dinev erzählt in dem Drama eine alte Geschichte neu. Ein Richter (Michael König), offenbar ein reicher und mächtiger Mann, gibt bei einem ausländischen «Meister» (Martin Reinke), offenbar ein begnadeter Ingenieur, ein Haus für seinen Sohn (Dietmar König), offenbar ein soziopathisches Monster, in Auftrag.

Das Haus soll so konstruiert sein, dass es dem Bewohner an nichts mangelt; es soll ihm möglich sein, den Himmel und die Sterne zu betrachten, die Vögel singen zu hören. Nur verlassen soll er das Haus nicht können. Keine leichte Aufgabe, aber das Honorar ist gut, und der Meister macht sich gemeinsam mit seinem Sohn Iko (Daniel Jesch) ans Werk.

Die Arbeiten kommen gut voran, obwohl von verschiedenen Damenbesuchen behindert. Die Frau des Richters (Barbara Petritsch) erinnert den Meister an ihre alte Liebesgeschichte, aus der er damals geflohen war (der junge Mann, dem der Meister gera­de einen goldenen Käfig baut, ist also möglicherweise sein Sohn); zwischen ihrer jüngsten Tochter Xeni (Nicola Kirsch) und Iko entwickelt sich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2007
Rubrik: Neue Stücke, Seite 29
von Wolfgang Kralicek

Vergriffen
Weitere Beiträge
Das Leiden am Ich

In Hessen ist «Don Karlos» Zentral­abiturstoff. Deshalb muss man seinen Theaterabend, nicht nur in Kassel, mit zwangsversendeten Deutschkursen tei­len. Pubertär pikiert zischen die Schüler­abordnungen, wenn ein Mann einen Mann auf den Mund küsst oder ein Schauspieler gar die Hosen runter­lässt. Und nehmen die Schillersche Gedankenfreiheit ganz wörtlich – klares...

Versöhnlicher Phantomschmerz

Die gute alte Ost-Platte hat in letzter Zeit viel üble Nachrede, Leerstand und Totalabriss erdulden müssen, da kommt etwas Trost zur rech­ten Zeit. Der genialische Jungarchitekt Holm zieht freiwillig in eins der dünnwandigen Fertigbau­module und gewinnt der mangelnden Geräuschdämmung ungeahnte zwischenmenschliche Qualitäten ab: «Muss man sich halt mal anstrengen,...

Wie wollen wir leben?

Unweit vom Herzen Altonas, wo Ende März mit einem Schlag die Draußensitzer in den Cafés das Straßenbild erobern, liegt die Studiobühne des Thalia Thea­ters. Hier, in der Gaußstraße, werden die kleineren Produktionen gezeigt, Inszenierungen, die mit wenigen Mitteln auskommen müssen, weil der Platz für großen Aufwand fehlt. Das karge Ambiente mit dem rohen...