Labor der Vielfalt
Der Zustand der Theater ist Ausdruck der Gesellschaft, von der sie unterhalten werden. Ästhetisch. Strukturell. Organisatorisch. Wie sollte es auch anders ein. Das ist weder gut noch schlecht, das ist einfach so, wie es ist. Das Personal, die ästhetischen wie politischen Programme bilden ab, wie es um die Macht- und Verteilungsverhältnisse in Deutschland, in Europa, in der Welt bestellt ist. Ich kann das Theater nicht ohne seine Einbettung in meine gesellschaftliche Realität denken.
Das ist eigentlich eine Binsenweisheit, aber ich habe das Gefühl, man kann sie gar nicht oft genug aussprechen.
Das heißt, wenn ich über das ideale Theater nachdenke, dann denke ich über dieses komplizierte Wechselverhältnis von Theater und Gesellschaft nach. Das Geld, die Bereitstellung der Mittel, die Realität der Ökonomie ist zugleich Ausdruck und Motor gesellschaftlicher Macht- und Mentalitätsverhältnisse. Herrliche Dialektik. Das heißt: Die Frage, wie das ideale Theater aussehen soll, ist die Frage nach meiner gesellschaftlichen Utopie. Wow. Diese Frage hängt da wie ein Banner aus einer vergangenen Zeit weit oben an einem verrosteten Fahnenmast. Manchmal bläst der Wind rein, aber die Fahne weht ...
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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Reale Utopien, Seite 36
von Björn Bicker
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Mit «Smokefall» und «The Homemaker» hat Noah Haidle sein Grundstück bereits auf beeindruckende Weise abgesteckt. Bevölkert wird es von mehreren Generationen von Familien mit archaischen Strukturen: Die Mütter warten, die Väter verlassen und die Kinder suchen. Vom Fötus im Bauch der Mutter bis zum dementen Großvater lässt Haidle sie zu Wort kommen. Bei aller...
Aus der Theatervorstellung, die ich gestern besucht habe, bin ich aufs Seltsamste erfüllt von einem durch die Bewegungen und Nichtbewegungen, dem Sprechen und Nichtsprechen der Schauspieler in mich hineingepumpten Raumgefühl wieder hinausgewankt, so dass ich eben zum Beispiel erst gestern, nachdem ich einige Stunden mit diesem völlig neuen Raum- und Klanggefühl...
