Die Veränderungsaneigungsmaschine
In meiner Vorstellung ist dieses Theater eine architektonische, räumliche Erweiterung meines Körpers. Ein Wahrnehmungsapparat. Was sich eröffnet, ist ein Ort, in dem alles fröhlich uneindeutig ist, so klar es auf den ersten Blick auch erscheinen mag. Die Architektur, die Schichtung des Baumaterials, die Wände. Oder die Türen, mit flackernden Notausgangsschildern, die Art und Weise, wie die Räume und Wege beschriftet sind, die Feuerlöscher aus rotlackiertem Porzellan, kurz vor dem Zerbrechen. Die Körper und was sie einem sagen, wenn man ihnen unterwegs begegnet.
Die Menschen an der Kasse, die Kartenabreißer, die Performerinnen, die nicht sie selbst sind, und das Publikum, das eigentlich die Statisterie ist. Ein Raum, in dem Schauspieler und Person, Kulisse und reales Gebäude, Dreck und Attrappe, Zuschauer und Claqueur, Propaganda und Wahrheit, Nebel und Nebelmaschine wie in einer Verwechslungskomödie ununterscheidbar ineinander überblenden und miteinander verschweißt sind. Es ist nicht klar, wann die Vorstellung losgeht und auch nicht, wann sie aufhört. Sicher ist nur, dass das Gebäude irgendwann explodiert.
Dieser Ort ist ein Ort der Entscheidungsmöglichkeit. Nur dort, wo die Dinge ...
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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Reale Utopien, Seite 74
von Boris Nikitin
Das ideale Theater hat in meinem Traum folgenden Spielplan:
«Othello» – Regie Peter Zadek, Deutsches Schauspielhaus Hamburg 1976
«Gänge» – Choreografie William Forsythe, Frankfurt 1983
«La tragédie de Carmen» – Regie Peter Brook, Théâtre des Bouffes du Nord 1983
«Die Macht der theaterlichen Torheiten» – Regie Jan Fabre, Troubleyn Theater Amsterdam 1984
«Küsse Bisse...
Aus zwei verschiedenen Richtungen – wie Wagen in zwei Fahrtrichtungen auf einer nächtlichen Landstraße, die sich für einen einzigen kurzen Moment begegnen und dann aneinander vorbeirauschen –, so laufen die Geschichten und Lebenswege in Christoph Nußbaumeders Stück «Das Fleischwerk» aufeinander zu. Sie streifen, verletzen und verlieren sich. Brutal sind sie alle,...
Was die Sehnsucht, Theater zu spielen, nährt? Mit welcher Verheißung das Theater verführt – was das ganze «Theater» soll, was es können sollte? Das zu beschreiben, braucht es eine Geschichte, die Geschichte von den blauen Tüchern.
Vor vielen Jahren, mit einem Freund auf einer Fahrt durch die marokkanische Wüste, stand winkend ein alter Mann am Ausgang einer...
