Kunstreiter müsste man sein!
Nicht ein Clown, sondern viele: Ein ganzes Zirkusbestiarium bevölkert die Manege bei Antú Romero Nunes’ Inszenierung von Charles Dickens’ «Hard Times». Es gibt hier Tier-Mensch-Wesen, Artist:innen, Weißclowns, einen Dummen August und mittendrin einen Zirkusdirektor, den Cino Djavid mit Lispelstimme, schlecht sitzendem Anzug und extrem unvorteilhafter Perücke ebenfalls clownesk anlegt. Und tatsächlich fügt sich das alles im Thalia Theater wie von selbst zu einem stimmigen Theaterabend.
«Hard Times», erschienen zwischen April und August 1848, als Fortsetzungsgeschichte in der wöchentlichen Publikation «Household Words», verfolgt, anders als bei Dickens sonst, keine geradlinige Erzählung. Statt -dessen entwirft der Autor hier das Panorama des fiktiven Industriestädtchens Coketown, angelehnt an das nordenglische Preston: Man begegnet dem vernunftgeleiteten Spießbürger Thomas Gradgrind (Tilo Werner), dem Bankier Bounderby (Julian Greis), dem Arbeiter Blackpool (Lisa Hagmeister), man besucht Gewerkschaftstreffen und immer wieder den von Mr. Sleary (Djavid) geleiteten Zirkus, der als poetische Gegenwelt zum kapitalgetriebenen Coketown-Alltag fungiert. Außerdem gibt es einen ausgefuchsten ...
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Theater heute Juni 2026
Rubrik: Aufführungen, Seite 15
von Falk Schreiber
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