Das Leben auf dem Lande
Der kleine Shrimp (Franz Blumstock) läuft über die Felder mit dem Hofhund in den Regenwald. Mit Freude am Sprachspiel und kindlicher Perspektive eröffnet «Mutter Vater Rind» einen ganzen Bilderbogen vom Leben auf dem Lande, seinen Systemen, seiner Struktur. Oder vielmehr dem System Hof, der Struktur Hof und der Familie Müller, bestehend aus Vater, Mutter, Opa (väterlicherseits), dem Hofhund, den Kühen und eben Shrimp.
Die alte Generation trägt dabei Hemden aus dem Schlachthaus, rohes blutiges Fleisch ist darauf gedruckt, auch das große Fell-Flokati-Podest entpuppt sich als Fleischquader, und später wird Kinga Schmidt als Mutter noch eine unförmige Fleischform durch die Gegend wuchten.
Kostüm- und Bühnenbildnerin Konstanze Grotkopp setzt ganz auf Metzgerästhetik. Der Bühnenraum ist verhangen mit durchsichtig-milchiger Plastikfolie, dahinter lässt sich grüne Wiese erahnen, aber nicht greifen. Der Hof wiederum ist ein gerontokratisch-patriachales Ungetüm mit seiner großen Rinderhalle und dem grummelnden Opa (Till Schmidt), dem sein Sohn (Lukas Coleselli) – beide schön mit Schnurrbart – doch nichts recht machen kann und wo auch die Mutter sich vor allem an dem Alten aufreibt, während ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juni 2026
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Torben Ibs
Ein bisschen erinnert er an JD Vance, dieser Anzugtyp, der da in Großprojektion auf dem Vorhang populistisch in der Menge badet, dabei straight und siegessicher in die Kamera grinst. Und dann auch wieder nicht. Zumindest scheint er nicht bedingungslos an brutale Remigrationsprogramme und identitäre Privilegien zu glauben. Der Ort der Geburt, ist der wirklich so...
Sind wir nicht alle Flaneure durch das kurze Leben, Schiffe zu einem Hafen, den wir nicht kennen, Gäste einer Herberge, bevor die Postkutsche des Abgrunds eintrifft? So schreibt es der portugiesische Dichter Fernando Pessoa, für den das wohl ganz besonders gilt. Sein «Buch der Unruhe» gelangte zu Weltruhm, obwohl es nur Fragmente enthält: Melancholische Aphorismen...
Rebecca an Sasha
Ich erinnere mich, wie ich für die Arbeit am Gorki nach Berlin zog. Der Kompass in mir funktionierte nicht mehr nach Norden oder Süden, egal wo ich war, zu dem Zeitpunkt in Tel Aviv, richtete sich die Nadel immer wieder in Berlins Mitte aus. Das Maxim Gorki Theater war zum «Gorki» geworden und die weiße Schrift auf dem schwarzen Hintergrund...
