Kunstaktivismus: Die Würde der Ungefragten
Die Titelseite der «taz» vom 21.6.2015 zeigte ein Foto, das (angeblich) in einem Krankenhaus im sizilianischen Augusta aufgenommen worden war. Es zeigte eine Art Andachtsraum, in dem ein riesiger geöffneter Kühlschrank stand, darin gestapelt Müllsäcke, die augenscheinlich Tote enthielten. Auf dem Steinboden darunter war ein großer brauner Fleck zu sehen, offenbar ein See aus eingetrocknetem Blut.
Dieses in seiner Lapidarität äußerst dramatische Foto hatte ein (namentlich nicht genannter) Mitarbeiter des Zentrums für Politische Schönheit bei einer Recherchereise aufgenommen, auf der ihm ein Bestatter die Leichenkammer gezeigt hatte. Der «taz»-Journalist Christian Jakob recherchierte seinerseits dem Bild hinterher und zeichnete in seiner anschließenden Reportage nach, wie überfordert die italienischen Inselkommunen im Umgang mit gestrandeten und von der Küstenwache auf See aufgegriffenen Geflüchteten sind, mit den Lebenden wie auch den Toten, die in der Regel namenlos auf den umliegenden Friedhöfen bestattet werden müssen. Die 17 Afrikaner, deren Leichen in der sizilianischen Kühlkammer offenbar weitaus länger als offiziell vorgesehen ihrer unwahrscheinlichen Identifizierung harrten, ...
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Theater heute August/September 2015
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Eva Behrendt
Dunkel und still wie in einem Grab ist es. Plötzlich schneiden gleißend helle Stroboskopblitze einzelne Bilder in die Finsternis: Ein Mann watet durch knöcheltiefes Wasser, trifft auf eine Frau. Im Blitzlichtgewitter und zu anschwellender elektronischer Musik fallen sie wollüstig übereinander her, ein zuckendes triefnasses Knäuel, das sich im Wasser wälzt....
Um es klar zu sagen: Auch in Darmstadt sieht man nicht mehr Menschen als anderswo mit schäbigen Klamotten, deren Zittern ihre Getränke-Vorlieben verrät (eine Eigenschaft, von der der Datterich seinen Namen hat). Ich habe auch in Darmstadt noch nie gehört, dass jemand die einschlägigen Datterich-Sätze sagt: «Trinke Se, da komme Se uf annern Gedanke.» Oder, ganz...
Finanzratgeberlesern ist der Rabbi Isaac ben Aha natürlich bestens bekannt. Auf ihn geht einer der ältesten Anlagetipps überhaupt zurück, näm-lich die vor 1.600 Jahren im «Babylonischen Talmud» dokumentierte Drei-Speichen-Regel: Mit der Investition des Vermögens in «ein Drittel Land, ein Drittel Handelswaren und ein Drittel bar zur Hand» (heutzutage gern...
