Darmstadt: Heimatklänge
Um es klar zu sagen: Auch in Darmstadt sieht man nicht mehr Menschen als anderswo mit schäbigen Klamotten, deren Zittern ihre Getränke-Vorlieben verrät (eine Eigenschaft, von der der Datterich seinen Namen hat). Ich habe auch in Darmstadt noch nie gehört, dass jemand die einschlägigen Datterich-Sätze sagt: «Trinke Se, da komme Se uf annern Gedanke.» Oder, ganz zentral: «Ich wahß net, ich hab heit schon de ganze Daag so en vasteckte Dorscht.
»
Aber es gibt Menschen, die ernsthaft behaupten, dass es nirgendwo in Deutschland ein Lokal-Stück gäbe, das so eng mit seinem Ort verknüpft ist und ihn so sehr prägt wie «Der Datterich» von Ernst Elias Niebergall, Zeitgenosse Büchners, beide aus Darmstadt stammend, auch in Gießen in der gleichen Studentenverbindung. Niebergall vor Büchner, zumindest in Darmstadt. Büchner gehört der allgemeine Nachruhm, in Darmstadt aber ist Niebergalls «Datterich» die große Nummer: der Trinker und Schwadroneur ist der beliebteste Sohn der Stadt. Sympathisch, eigentlich. Gleichzeitig aber treiben die Gralshüter des Datterichtums ihr bierernstes Unwesen.
Ganz am Rande gibt auch ein paar ernsthafte Geister, Ernst Bloch, Georg Hensel, Alfred Kerr, die den ...
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Theater heute August/September 2015
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Peter Michalzik
Zu Beginn goldene Worte, mal pragmatisch ernüchtert wie die des Thalia-Intendanten Joachim Lux, der den Regienachwuchs ermahnte, sich schon rechtzeitig an die Balance von Markt und Eigensinn zu gewöhnen. Mal vom utopischen Furor davongetragen wie die des Kulturbereichsleiters der namengebenden Körber-Stiftung Kai-Michael Hartig, der die Studenten in Zeiten der...
Helmut Lohner hat schon früh alle U- und E-Unterscheidungen unterlaufen. Er begann nach einer Lehre in einer Fotoreproanstalt und privatem Schauspielunterricht 1952 am Stadttheater Baden, avancierte zum Operetten-Buffo am Stadt-theater Klagenfurt und spielte von 1953 bis ’63 am Wiener Theater in der Josefstadt. Frühe Filmerfolge («Das Wirtshaus im Spessart» 1957...
Ich wünschte, ich könnte besser lügen, dann könnt’ ich sagen, ich bin die Großnichte.» Von Ödön von Horváth nämlich. Sagt Rita von Horváth. «Es ist ein relativ verbreiteter Name in Ungarn und auch in Wien», sagt sie, und nein, sie ist in gar keiner Linie mit Horváth verwandt. Und hat auch noch nie einen Horváth souffliert in den zwanzig Jahren, in denen sie als...
