Die Qualitätsoffensive
Die Autorentheatertage 2015 begannen mit einem überraschenden Frontalzusammenstoß. Der diesjährige Jurysprecher Peter Michalzik hatte eine kleine Eröffnungs-Brandrede vorbereitet mit 17 Thesen, die voller Behauptungsfreude und weitgehend begründungsfrei das Drama, das Theater, das Sprechen, das Performative, das Inszenieren und noch ein paar andere bühnentechnische Großschlagwörter umspielen. Das rhetorische Prinzip dahinter war Aufschlag und Netzball: Den Ball hoch in die Luft werfen, mit viel Schwung draufhauen und dann, nun ja, nächster Ball.
Zum Beispiel These 1: «Das Sprechen schriftlich vorgefertigter Texte im Theater erzeugt gerade bei neuen Stücken oft ein diffus peinigendes Gefühl.» Stimmt schon einerseits, andererseits auch nicht. Ist der Ball jetzt drin oder draußen? Oder These 3: «Die Zukunft des Dramas ist offen.» Voll auf die Linie, oder? Noch härter These 5: «Es gibt kein zeitgenössisches Theaterstück.» Der Schiedsrichter sieht den Ball nicht mehr. Unerreichbar auch The-se 6: «Was Autoren für das Theater produzieren sollen oder können, ist unklar.» Return unmöglich.
Nachdem Michalziks muntere Ballwurfmaschine ihre Munition verschossen hatte, sprang ...
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Theater heute August/September 2015
Rubrik: Festivals, Seite 22
von Franz Wille
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