Kunst und Lüge

In Dresden inszeniert Claudia Bauer Robert Harris’ kontrafaktischen Krimi «Vaterland», in Köln erzählt Stefan Bachmann Rainald Goetz’ Managerroman «Johann Holtrop» als Sprechoper

Theater heute - Logo

Die Große Reichshalle ist das größte Gebäude auf Erden», jubiliert die Stadtführerin. In knackiger Uniform strahlt Ahmad Mesgarha auf der Bühne des Staatsschauspiels Dresden – «schöne Stadt, so unzerstört» – eine vollbusige Mischung aus Arroganz und Autorität aus: Höhe 290 Meter, Fassungsvermögen 180.000 Personen, «die Kuppel selbst misst einhundertvierzig Meter im Durchmesser, und der Petersdom zu Rom passt sechzehnmal hinein», doziert seine stolze Patriotin.

Sogar ein eigenes Klima herrsche drinnen, wenn der «Atem einer solchen Menschenmenge in die Kuppel aufsteigt und dort Wolken bildet, die kondensieren und als leichter Regen herabfallen».

Unterwegs in Speer-City

Der von Albert Speer entworfene monumentale Monsterbau könnte heute vom Kanzleramt bis zum Hauptbahnhof reichen (die Spree hätte umgeleitet werden müssen) – wenn, ja wenn Deutschland den Zweiten Weltkrieg gewonnen hätte. In seinem Krimi «Fatherland» spielt der britische Autor Robert Harris einen alternativen Geschichtsverlauf durch, in dem Nazi-Deutschland die Rote Armee bis hinter den Ural zurückgedrängt, die Briten zum Aufgeben gezwungen und ganz Europa unter seinen Einfluss gebracht hat. 1964 – das Jahr, in dem der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute 4 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Eva Behrendt

Weitere Beiträge
Wir Vatermörder

Nun Jürgen Flimm. Und jedes Mal denke ich: Hätte ich doch bloß noch angerufen oder wäre nochmal vorbeigefahren; aber am Theater ist ja bekanntlich immer Alarmzustand, so dass man das Gefühl hat, nie so richtig wegzukommen, und dann vergisst man, den Kontakt zu halten zu Menschen, die einem mal lieb und wichtig waren. Jürgen Flimm war nie lieb, aber wichtig, und er...

Premieren 4/23


AACHEN, GRENZLANDTHEATER
28. Ellis, How to Date a Feminist
R. Eva Brunner

AACHEN, THEATER
27. Bechtel und Zeppenfeld, Woher und Wohin (AT) (U)
R. Clemens Bechtel
29. Kehlmann, Tyll
R. Ewa Teilmans

ALTENBURG/GERA, THEATER
2. Kressin, Liebe macht frei
R. Manuel Kressin

ANNABERG-BUCHHOLZ, EDUARD-VON-WINTERSTEINTHEATER
1. Coward und Chatten, Zwei Geister sind einer...

Suchlauf 4/23

2./SONNTAG arte, Es war einmal Picasso
Thementag mit über 16 Stunden Programm, darunter die Spielfilme «Mein Mann Picasso» (1996) und «Wem die Stunde schlägt» (1943), die Dokumentarfilme «Der Minotaurus – das bin ich!» (2022), «Picasso ohne Legenden» (2022), «Pablo Picasso & Françoise Gilot – Die Frau, die nein sagt» (2020), «Looking for Picasso» (2013) und die...