Kunst kommt von kontern
Still war es um ihn geworden in den 90ern, als hätten das Ende der Ära Strauß und die Wiedervereinigung seine Interventionen überflüssig gemacht. Und damit ihn, den Filmemacher, Dramatiker, Lyriker, Romanautor, Maler, Bildhauer, Theaterregisseur, Grantler und Provokateur: Herbert Achternbusch, Universalkünstler, Anarchogenie, Poète maudit. Doch nun scheint sich ein Achternbusch-Revival anzubahnen: 2007 wurden in Wien, Recklinghausen und Mannheim drei seiner Stücke uraufgeführt.
Das Filmfest München plant in diesem Jahr eine Retrospektive, und das Münchner Literaturarchiv Monacensia widmet ihm die Ausstellung «Das Ich ist ein wildes Tier». Warum gerade jetzt?
Im Falle der Monacensia ist der Grund schlicht: 2005 kaufte das Haus Achternbuschs literarisches Archiv. Vorlass heißt das im Fachdeutsch und bedeutet in der Regel ein öffentlich-rechtliches Gnadenbrot. In der kleinen Ausstellung in der Monacensia-Villa hängt ein Brief, in dem Achternbusch an die Leiterin des Hauses, Elisabeth Tworek, zum Vorlass-Verkauf schreibt: «Da ich weiß, daß Monacensia wenig Geld hat, ich aber keines, habe ich mir eine kleine Aufrundung erlaubt (incl. MWST).» Seine Filme werden selten gesendet, seine ...
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Irgendwann Anfang der siebziger Jahre, so genau erinnert sich keiner der Beteiligten, strichen zwei Männer mit hochgekrempelten Hosenbeinen an den überfüllten Stränden von Sosopol entlang. Der eine rief ständig «Margit», während der andere sich nach «Jürgen» heiser schrie: Heiner Müller und Dimiter Gotscheff hatten sich an der bulgarischen Schwarzmeerküste locker...
Selten spielt ein Film über einen erfolgreichen Bühnenkünstler so viel im Wald. Nicht etwa im Wald als einem romantisch aufgeladenen Sehnsuchtsort und Schauplatz dramatischer Weltliteratur, sondern ganz nüchtern als landwirtschaftliche Nutzfläche, als Ort von Arbeit im engeren Sinn, denn seinen «Nebenberuf» Schauspieler hat Josef Bierbichler, Sohn einer Bauern- und...
Michael Merschmeier Was schaut man gern an?
Thea Dorn Das Erhabene und das Schöne. Das Schöne leuchtet unmittelbar ein: Wer schaut nicht gern einem schönen Mann oder einer schönen Frau nach? Das ist banal. Darauf sind wir Menschen gepolt. Das Erhabene ist – nach Kant – allerdings auch die Katastrophe, das Furchtbare, die Gefahr, das Grauen. Da scheiden sich schon...
