«Vorbilder hat man immer»

Lutz Hübners «Ehrensache» wäre fast verboten worden. Jetzt hat das Bundesverfassungsgericht in einer weitreichenden Entscheidung für das Stück votiert: ein Urteil und seine Hintergründe

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Franz Wille Herr Hübner, Sie haben es mit Ihrem Stück «Ehrensache» bis vors Bundesverfassungsgericht gebracht. Was ist das für ein Gefühl?

Lutz Hübner Daran muss ich mich erst noch gewöhnen. Dass es eine solche Lawine wird, war ja vor zwei Jahren, als es losging, noch nicht abzusehen. Ich brauchte auch Zeit, um zu verstehen, dass es überhaupt ein Fall für die Justiz ist. 

FW Das hat Sie völlig überrascht?

Hübner Bei diesem Stück: ja.

Beim «Bankenstück» über den Beinahe-Bankrott der Berliner Bankgesellschaft hatten wir eher damit gerechnet, dass es Ärger geben könnte, aber bei «Ehren­sache» hat das niemand erwartet. 

FW Der Anlass war der «Hagener Mädchenmord» im Jahr 2004; damals wurden zwei 14-jährige Schülerinnen von türkischen Mitschülern niedergestochen. Sie haben den Fall als Handlungsgerüst für Ihr Stück genommen. 

Hübner Ich habe mich an diesem Fall orientiert, weil es eine extrem theatralische Situation war: ein Ausflug, vier Personen, zunehmende Eskalation. Damit bin ich fiktiv umgegangen, habe den Fall als Rahmenhandlung benutzt, aber eigene Figuren erfunden. Der Vorwurf war letztendlich, dass ich die authentischen Personen porträtiert und negativ dargestellt hätte. Es hieß: ...

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Theater heute März 2008
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Franz Wille

Vergriffen
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