Kunst, Klamauk, Kapitalismuskritik
Wer Globalisierung verstehen will, muss dicke Bücher lesen. Da hilft nix. Kein arte, kein Internet und auch keine Spiegel-Dossiers. Denn mit dem vermeintlichen Wissen über die Globalisierung verhält es sich ganz ähnlich wie mit dem weit verbreiteten Glauben, das neudeutsche Adolf-TV würde den Nationalsozialismus erklären. Nachkolorierte NS-Dokus mit dramatischer Musikunterlegung und tollen Spielszenen haben nur dazu geführt, dass 16-Jährige, die schon in jeder Diktatur dieser Welt im Urlaub waren, Hitler für den Darth Vader des Geschichtsfernsehens halten.
Und die Globalisierung allein auf dem Wege des Infotainments verstehen zu wollen, konstruiert einen ähnlichen Glauben, der der Komplexität des Themas nicht im Ansatz gerecht wird: dem an ein entpersonalisiertes böses Empire, dem man nur mit Humor und Dritte-Welt-Kaffee entfliehen kann.
Auch Matthias von Hartz’ Volkshochschule für angehende Attac-Aktivisten, «Go createTM resistance», die er drei Jahren lang im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg veranstaltet hat, riskierte im Ansatz das Missverständnis, er wolle den intellektuellen Leerstand guter Menschen mit einfachen Antworten füllen, indem man den Anspruch der Volksbildung ...
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Für Schauspielerinnen und Schauspieler ist die Nachrichtensprecherei vielleicht die größte Herausforderung unserer Tage. Zwischen kritischem Verfremdungseffekt und Einfühlungstheater liegt nur ein Hauch. Mit dem Lüpfen einer Augenbraue hat man die Seiten gewechselt. Und in was für einem Krieg – zwischen Kunst und Kitsch, Qualität und Quote, Vernunft und Wahn, Ober-...
Wie wohl hätte man sich heute einen «Weltverbesserer» vorzustellen, einen, der von sich sagt, «mein Kampf ist ein Kampf um das Glück aller; sollte ich glücklich sein, so müssten es zuerst alle andern Menschen um mich herum sein»? Getroffen hat man ja schon länger keinen mehr.
Wäre so einer jung und bei Attac, wäre er ein übrig gebliebener 68er, wäre er eine...
Als Roland Schimmelpfennig an seinem Theatertext «Für eine bessere Welt» schrieb, wurde Berlin gerade mit Plakaten zugepflastert, auf denen eine Blondine mit aufgerissenem Mund und einer zwischen die Brüste gepressten Dose Werbung für kalten Kaffee machte (Markenname: «K-Fee»). Die «taz» wusste damals nicht, ob sie das Bild sexistisch finden sollte und entschloss...
