Kulturpolitik: Mehr Mut gegen Rechts
Wie verändert die Präsenz der AfD das Handeln von Theater? Das ist im Kern die Frage, wenn man die Vorgänge aus Freiberg rund um eine kleine Buchvorstellung betrachtet, die am 28. März im Zuge der Veranstaltungsreihe «Dialog – Wir haben die Wahl 2019. Was ist zu tun» im dortigen Theater stattfinden sollte. Sollte. Denn auf Druck des Oberbürgermeisters der Stadt wurde die Veranstaltung kurzfristig verlegt. Raus aus dem Theater, rein in den städtischen Festsaal.
Zunächst eine Petitesse, Veranstaltungsorte wechseln aus organisatorischen Gründen oder weil der eine Saal dann doch das bessere Ambiente bietet als der andere Saal. Doch am Theater in Freiberg, das zusammen mit Döbeln das Mittelsächsische Theater bildet, liegen die Dinge anders, denn Oberbürgermeister Sven Krüger veranlasste die Verlegung der Buchvorstellung mit Diskussion explizit aus politischen Gründen. Auf eine Anfrage zu dem Vorgang schreibt er: «Als Oberbürgermeister und damit oberster Dienstherr der Kommune habe ich die Pflicht – besonders bei bevorstehenden Wahlen –, das Neutralitätsgebot zu wahren. Das und nichts anderes habe ich mit der Verlegung dieser Veranstaltung erreichen wollen.»
«Angstprediger»
Dieses ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2019
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Torben Ibs
Am Ende liegt ein Mann in der Badewanne. Macbeth, der Machtmensch, der Karrierist, der über Leichen geht, ist tot. Der Kopf ist zur Seite gefallen, wobei er sich auf ein Handtuch stützt, das ihm kurz vorher sein einstiger Rivale Macduff vorsichtig um das Handgelenk gewickelt hatte. Geradezu fürsorglich und besorgt begleitet dieser ihn zur Wanne, in der sich Macbeth...
Darkroom 1: Dunkelheit
Ich bin noch nie in einem Darkroom gewesen, dachte ich jedenfalls, bis ich einer Diskussion in einem Berliner Theater zuhörte. Einer der Teilnehmenden auf dem Podium schilderte seine Erfahrungen in queeren Sexräumen, und je mehr er erzählte, desto klarer wurde mir, dass ich die längste Zeit meines Erwachsenenlebens genau dort verbracht...
Orhan Pamuk war nicht da. Dabei hätte ihm das meiste von dem, was es hier zu bestaunen gab, sicher gefallen: diese nützlichen und weniger nützlichen objets trouvés, die Liebesgeschichten, die sich aus den Gegenständen herausschälten, der Nippeskram – er hätte all das sehr gut gebrauchen können für sein Istanbuler «Museum der Unschuld». Wobei das mit der Unschuld...
