Künstlerdämmerung
Langweilig ist es nicht in Johannes Leppers letztem Intendantenjahr am Theater Oberhausen. Thirza Bruncken hat eine völlig durchgeknallte Version von Dürrenmatts «Besuch der alten Dame» inszeniert, und der leise, behutsame Valentin Jeker verabschiedet sich mit einem atmosphärisch stimmigen «Kaufmann von Venedig» vielleicht ganz aus dem Theatergeschäft. Auch Lepper selbst zeigt noch einige seiner kämpferisch-kantigen Theaterabende. Sein Finale sind die «Ratten» von Hauptmann, aufwühlend emotional als Kommentar zu den realen Kindstötungen und -misshandlungen inszeniert.
Künstlerisch steht Oberhausen gut da, obwohl der wieder erstarkte Nachbar Essen dem Haus einiges an medialer Aufmerksamkeit entzogen hat. Wirtschaftlich war Lepper immer im Soll und hat es sogar geschafft, aus Eigenmitteln des Theaters den Malersaal als neue, größere Studiobühne einzurichten. Trotzdem wurde sein Vertrag nach fünf Jahren nicht verlängert. Die Argumentation der Kulturpolitiker ist ungewöhnlich.
Armes Oberhausen
Das Theater wirke zu wenig über sein direktes Umfeld hinaus, sagt Oberhausens Kulturdezernent Apostolos Tsalastras. Auch bei den Nichtbesuchern müsse eine Stimmung für das Theater entstehen, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«In hundert Jahren, wenn wir alle tot sind, werden Leute diese Bänder finden und sie werden sagen: ‹Mein Gott, sie waren so lebendig!›» Es klingt wie eine Tschechow-Replik, was Simon Will uns da, aus der Mitte einer Küchenparty heraus, über den Videoscreen vermeldet: Lasst nicht den «Onkel Wanja» in euch auf das Glück zukünftiger Generationen hoffen. Spürt, wie ihr...
Im letzten Bild von «Onkel Wanja», Jürgen Goschs Tschechow-Inszenierung am Deutschen Theater, sitzt Ulrich Matthes’ ausgemergelter Wanja zerstört auf der Lehmbank. Das Licht ist schon ziemlich tief gerutscht im mit Erde bestrichenen Bühnenkasten von Johannes Schütz und wirft lange Schatten, als ginge der Sonne nach einem anstrengenden Tag die Puste aus. Gerade ist...
Es ist eine Nachkriegswelt, in der David Bösch seine «Woyzeck»-Fassung spielen lässt. Vielleicht hat sogar eine atomare oder biokriegerische Apokalypse stattgefunden. Die Mad-Max-artigen Kostüme der Figuren und die mutantenhafte Blässe legen das nahe. Sie hausen in einer Art unterirdischem Bunker. Manchmal macht die Großmutter (Jutta Wachowiak) zaghafte Versuche,...
