Süßer Sieg der Oberfläche

Shakespeare «Viel Lärm um nichts»

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Im Programmheft ein Motto des Shakespeare-Experten Stephen Greenblatt: «Die Welt der Renaissance war eine Welt der Konventionen, die lediglich überdeckten, dass unter den Schichten der theatralischen Gebärden, konventionellen Reden und prächtigen Kleidung absolut Nichts verborgen lag.» Das Nichts, groß­geschrieben, mutet existenziell an: Wie brüchig sind diese Komödienwunderwelten. Wie leicht kann das Ränkespiel der ewig intriganten Bösewichter einen Leumund beschmutzen, blickt ein Sonntagskinderpaar, Hero und Claudio, in die Bodenlosigkeit des höfischen Daseins. Das Nichts nichtet.

Einerseits.

Man darf das Wort aber auch ganz unauf­geregt nehmen: Nichts, rien, liegt jenseits der glitzernden Komödienoberfläche; das Gepose und Getue genügt sich selbst. Junge Liebe feiert sich im Stimmungsüberschwang; verstummen dürfen die Gesettleten und Geehelichten. Hier, gewissermaßen bei der Pop-Lesart, setzt Anna Bergmanns opulentes «Viel Lärm um nichts» an. Es ist die Jubiläumsinszenierung zum 175. Geburtstag des Oldenburger Staatstheaters. Und mit Bergmann (Jahrgang 1978), die der neuen Intendanz mit dem Jugendstück «Crash» einen der Höhepunkte ihrer ersten Saison bescherte (TH 05/07), geht ...

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Theater heute Mai 2008
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Christian Rakow

Vergriffen
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