Kriegsheimkehrer mit verbrannter Seele
Kerstin Spechts Odysseus ist kein Held, und der Theatertext, den sie zusammen mit Dr. Manolis Manussakis, Chefkoch der Taverne «Kalypso» in München, schrieb, ist keine Heldensage. Er ist keine moralische Rechtfertigung altgriechischer Kolonisationsversuche, sondern eine Fortschreibung des antiken Mythos aus einer heutigen, lakonisch gebrochenen Perspektive voller Sprachwitz und Situationskomik.
Ihr Odysseus ist ein ergrauter Mann mit Bauchansatz und Plattfüßen, der nach zwanzig Jahren Krieg und Odyssee traumatisiert nach Ithaka heimkehrt und ernüchtert erkennen muss, dass ihm der häusliche Alltag fremd geworden ist. Seine ihm treu gebliebene Frau Penelope ist «rund wie eine Tonne» und sein Sohn Telemach ohne ihn groß geworden. Was soll er hier? Aber auch Penelope kann nur ernüchtert feststellen:
Schämst du dicht nicht
So zurückzukommen
Deine beschissenen Abenteuer
Haben dich alt gemacht ...
Eine nicht gemeinsam ge- und erlebte Zeit ist selten eine ausreichende Basis für eine glückliche Beziehung, und so begibt sich der rastlose Odysseus erneut auf Reise. Auf seine zweite Odyssee! Diesmal auf der Suche nach der eigenen Identität. Und so landet er wieder in Sparta bei seiner Geliebten, ...
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Theater heute Jahrbuch 2013
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 182
von Horst Busch
Ende März in Berlins wuchtigem Theatertrotzbau am Rosa-Luxemburg-Platz. Auf der Drehbühne kreiselt eine verwinkelte, mit Liebe gezimmerte Bretterbude, über der ein riesiger Videoscreen thront, der Stolz des Hauses. Was in den Zimmern vor sich geht, überträgt großzügig gepixelt und leicht grünstichig eine wackelige Handkamera, die noch das staksigste...
Felicia Zeller hat sich auf Sprachsuche begeben in den Floskeln und Redewesen unserer hippen Dauerkreativen, denen Kunst und Leben im Selbstvermarktungsstress verschwimmt. Da fühlen sich die Kritiker unserer Jahrbuch-Umfrage sofort angesprochen: «X-Freunde» ist das Stück des Jahres!
Wer im Theater von Kunst redet, wird möglicherweise ein bisschen schief angeschaut. Man will ja nicht im Elfenbeinturm enden. Trotzdem muss es im Theater Freiräume geben, die andere Begegnungen, Arbeitsformen, Gedankenspiele und Utopien ermöglichen als im durchfunktionalisierten Alltag, das bezweifelt kein Theaterkünstler. Aber wie viel Freiraum bietet das...
